Stand: 18.10.2018 16:24 Uhr

Baut Kirche "Reformationsfenster" einfach ein?

Kommt das von Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) angeregte und umstrittene "Reformationsfenster" in die Hannoversche Marktkirche oder kommt es nicht? Kirchenvertreter sagen: ja. "Ich gehe davon aus, dass das Fenster kommt", so der Vorsitzende des Marktkirchen-Vorstandes, Reinhard Scheibe. Dabei erwägt er sogar, das 13 Meter hohe Buntglasfenster einfach einbauen zu lassen - und abzuwarten, ob es dagegen eine Klage vor Gericht gibt. Die nämlich hatte der Erbe des Architekten Dieter Oesterlen, Georg Bissen, angekündigt. Der in Tokio lebende Rechtsanwalt besitzt die Urheberrechte an der Neugestaltung der Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg. Und er ist strikt gegen das geplante Fenster: Bissen hält es für nicht vereinbar mit dem architektonischen Konzept seines Stiefvaters.

Kirche will eventuell selbst klagen

Der Kirchenvorstand sieht darüber hinaus die Chance, dem Widerspruch von Bissen zu begegnen. So sei es auch möglich, selbst zu klagen. Vor Gericht könne geprüft werden, ob sich der Urheberrechtsschutz tatsächlich auf den Einbau eines neuen Fensters beziehe. Aber auch Lösungsmöglichkeiten ohne die Justiz würden geprüft - zum Beispiel einen erneuten Apell an Rechteinhaber Bissen. Ein solcher Apell könnte auch von Gerhard Schröder kommen, der das "Reformationsfenster" der evangelischen Marktkirche schenken will und mit Kirchenvorstand Scheibe befreundet ist.

Fünf Fliegen und Martin Luther

Der Entwurf des Fensters stammt vom Künstler Markus Lüpertz - ebenfalls ein Freund von Schröder - und ist umstritten: Er ist verziert mit Symbolen, die in Verbindung mit dem Leben und Werk des Reformators Martin Luther stehen. Für kontroverse Diskussionen sorgen dabei vor allem fünf Fliegen als Symbol des Bösen und der Vergänglichkeit. Der Denkmalschutz hat dem Einbau des Kunstwerks unter Auflagen bereits zugestimmt. Allein die Kosten für Material, Herstellung und Einbau werden auf rund 100.000 Euro geschätzt. Zur Finanzierung will Schröder Vortragshonorare von Verbänden und Unternehmen in Deutschland weitergeben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 08.10.2018 | 17:00 Uhr

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