Stand: 25.05.2019 15:47 Uhr

Bauern und EU: Es geht um Millionen - und Natur

Geld pro Hektar - so fördert die EU die Landwirte in Niedersachsen und dem Rest der Union. Wird sich das bald ändern?

Jedes Jahr fördert die Europäische Union Niedersachsens Landwirte mit mehr als 900 Millionen Euro. Viel Geld, ohne das einige Bauern ihre Betriebe im Land wohl aufgeben müssten. Bis zu 60 Prozent der Einnahmen würden die Subventionen aus Brüssel bei manchem Bauern ausmachen, sagt das niedersächsische Landwirtschaftsministerium. Diese Förderung ist seit Jahren dennoch ein großer Streitpunkt. Wie gerecht werden die Gelder verteilt, die mit mehr als 60 Milliarden Euro europa- und 6,4 Milliarden Euro deutschlandweit den größten Teil der EU-Ausgaben ausmachen? Wer bekommt wie viel und wofür? Zudem ist der Blick der Gesellschaft auf die Landwirtschaft und ihren Umgang mit den öffentlichen Geldern kritischer geworden - gerade in Zeiten von zu hohen Nitrat-Werten im Boden, der Diskussion um Tierhaltung und den Erhalt der Artenvielfalt.

Konventionelle Landwirtschaft muss offen sein

Christoph Geil ist sich dieser Aufgabe bewusst. Vor Jahren hat er einen Betrieb übernommen und mit der Angus-Rinderhaltung begonnen. Für ihn war es ein bewusster, aber doch großer Schritt, so kurz nach dem Studium und in einer Zeit, in der Hofübernahmen eher rückläufig sind. Den Anforderungen der Gesellschaft stellt sich der junge Landwirt dabei gerne, sagt Geil, der in Butjadingen und Nordenham rund 120 Hektar bewirtschaftet. "Der Verbraucher soll wissen, wo die Produkte herkommen und wie ich arbeite." Dieses Gefühl bekomme der Verbraucher auch, wenn er merkt, dass die konventionelle Landwirtschaft offen ist. Das sei sicherlich nicht bei allen Bauern so, doch Geil will seine Arbeit transparent machen. Deswegen gründete er unter anderem mit Freunden einen Hofladen mitten in Hannover.

EU-Subvention: 800 Euro je Hektar Blühwiese

Genauso liege ihm der Schutz der Natur am Herzen. Und so hat der junge Landwirt auf seinem eigenen Land in der Wesermarsch und dem von Nachbarn Blühflächen angelegt. Insgesamt auf 45 Hektar, eine Fläche so groß wie rund 63 Fußballfelder. Ermöglicht wurde das durch Gelder von der EU und dem Land Niedersachsen. Für seinen Arbeitsaufwand und den Ertragsausfall bekommt er im Jahr rund 800 Euro je Hektar. Geil sieht seine Blühflächen als einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Natur und der Artenvielfalt. Auf seinen Blühstreifen fanden zuletzt viele Fasane ein Versteck, genauso wie Hasen und Wildbienen. Für sein Projekt hat er sich einen Imker zur Seite genommen.

Christoph Geil aus Butjadingen hat 45 Hektar Blühstreifen gepflanzt - auch unterstützt von der EU.
160 Millionen Euro für freiwillige Umweltmaßnahmen

Brüssel nimmt das Geld für eine solche Agrarumweltmaßnahme aus der sogenannten zweiten Säule. Sie ist der Topf zur Förderung des ländlichen Raums und der ökologischen Landwirtschaft. Bauern können freiwillig Subventionen beantragen. Für Niedersachsens Landwirte stehen rund 160 Millionen Euro bereit. Im vergangenen Jahr haben mehr als 3.900 landwirtschaftliche Betriebe an einem solchen Blühprogramm teilgenommen und Flächen auf rund 18.000 Hektar Ackerland bepflanzt, wie das Landwirtschaftsministerium mitteilt. Das Land beteiligte sich mit mehr als 12,5 Millionen Euro. Die Kooperation bezuschusst Niedersachsen mit 100 Euro je Hektar.

Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 14.05.2019 | 16:00 Uhr

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