Stand: 14.02.2020 06:48 Uhr

Ausfälle: Lehrer fehlen in der Fahrzeugtechnik

von Torben Hildebrandt
Schüler und ein Lehrer in einem Berufsschulklassenzimmer. Im Vordergrund Bücher. © NDR
An der Berufsschule Burgdorf fällt im Bereich Fahrzeugtechnik rechnerisch jede vierte Stunde aus.

Die Berufsschule Burgdorf in der Region Hannover ist im Bereich Fahrzeugtechnik die größte in Niedersachsen - ein Aushängeschild im Autoland. Mehr als 1.500 Auszubildende lernen hier zum Beispiel Kfz-Mechatroniker, Reifen- oder Landmaschinentechniker. Allerdings gibt es dafür nur rund 40 Lehrer. Aus Sicht der Schule ist das viel zu wenig. Rechnerisch falle bei den Fahrzeugtechnikern jede vierte Stunde aus.

VIDEO: Massiver Lehrermangel an Berufsschulen (4 Min)

"Unterrichtsversorgung von 70 bis 75 Prozent"

Christoph Falkner im Interview. Im Hintergrund: Berufsschüler. © NDR
Zum Lehrermangel kämen aktuelle Ausfälle, sagt Christoph Falkner.

Christoph Falkner, Koordinator für den Bereich Fahrzeugtechnik an der Berufsschule Burgdorf, spricht von einer "realen Unterrichtsversorgung von 70 bis 75 Prozent". Zum grundsätzlichen Lehrermangel kämen aktuelle Ausfälle noch hinzu - beispielsweise durch Fortbildungen, Krankheiten oder die Teilnahme an Prüfungen.

Andere Schulfächer werden gestrichen

Kurios: Insgesamt ist die Schule vergleichsweise gut mit Lehrkräften ausgestattet, nur im Bereich Fahrzeugtechnik klaffen die großen Lücken. Damit der berufliche Unterricht hier trotzdem stattfinden kann, streicht die Berufsschule bei den allgemeinen Fächern. "Es gibt Fächer, die werden gar nicht mehr unterrichtet", sagt Koordinator Falkner. "Über Religion und Sport brauchen wir gar nicht zu reden, aber selbst Deutsch können wir nicht mehr durchgehend anbieten." Dabei sei das Fach Deutsch für die Azubis wichtig, gerade für Schülerinnen und Schüler mit ausländischem Hintergrund. "Wir hängen dadurch von vornherein einen Teil unserer Schüler-Klientel ab", so Falkner.

Neues Studien-Angebot geplant

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) erklärt, das Land arbeite daran, mehr Berufsschullehrer zu gewinnen und die Schulen besser auszustatten. In Osnabrück soll ab Herbst ein Lehramtsstudium für Fahrzeugtechnik angeboten werden, im Gespräch ist auch ein Studiengang in Braunschweig. "Die Situation ist bekannt", sagt Tonne. "Sie ist noch nicht so, dass wir damit zufrieden sind." Aber das Land versuche, die Lücke Schritt für Schritt zu schließen.

Tonne sieht das Land auf dem richtigen Weg

Allerdings weiß auch der Minister: Bis die neu ausgebildeten Lehrer in der Berufsschule ankommen, dauert es Jahre. Angesichts des Personalmangels in den Berufsschulen habe das Land kürzlich mehr Stellen und zusätzliches Geld auf den Weg gebracht, so Tonne weiter. Nun gehe es darum, sich einzelne Ausbildungsgänge anzuschauen. "Wir werden nicht in 2020 sagen: Alle Probleme sind beseitigt. Ich finde aber, die Entwicklung, die wir da nehmen, die stimmt", sagt Tonne. Dass beim allgemeinen Unterricht gekürzt wird, um den technischen Unterricht zu stärken, darf aus seiner Sicht kein Dauerzustand sein: "Zur beruflichen Bildung gehört auch die Allgemeinbildung, deshalb ist es unser Anspruch, auch weiterhin für mehr Stellen zu kämpfen."

Handwerk fordert größere Anstrengungen

Von der Innung des KfZ-Technikerhandwerks Niedersachsen-Mitte und Osnabrück heißt es, der Unterrichtsausfall an den Berufsschulen sorge für Unruhe in den Betrieben. Die Probleme seien seit Jahren bekannt, aber es ändere sich kaum etwas, kritisiert Innungs-Geschäftsführer Gerhard Michalak. Er fordert größere Anstrengungen von der Politik: "Dass man im Markt auch signifikant merkt, dass sich der Unterrichtsausfall wieder auf ein Normalmaß zurückschraubt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.02.2020 | 06:00 Uhr

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