Stand: 27.04.2013 12:47 Uhr

Attentat auf Butte: Hameln im Schockzustand

Bild vergrößern
Die Menschen in Hameln können das tödliche Attentat auf Landrat Butte nicht fassen - mit Blumen und Kerzen trauern sie um den Kommunalpolitiker.

Die Bluttat im Hamelner Kreishaus hat die Menschen in der Region tief erschüttert. Nach den tödlichen Schüssen auf Landrat Rüdiger Butte (SPD) versammelten sich am Freitagabend an die 700 Bürger zu einem Gedenkgottesdienst im Münster St. Bonifatius, um gemeinsam um den Politiker und ehemaligen Chef des Landeskriminalamtes zu trauern. Unter den Gästen waren fassungslose Kollegen, Vertreter von Polizei und Politik. "Angesichts der Grausamkeit und angesichts des Todes sind wir sprachlos", sagte Pastorin Friederike Grote. Superintendent Philipp Meyer nannte das Attentat "eine sinnlose Gewalttat", die das Leben zweier Menschen ausgelöscht habe. "Mitten in unserer Stadt, ganz nah." Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) war nach Hameln gekommen, um Buttes Arbeit zu würdigen. "Er war kompetent, aber nicht abgehoben - verantwortungsbewusst, aber nicht selbstherrlich", lobte Weil. "Er war bürgernah, weil er sich selbst als Bürger sah."

Unterdessen legten zahlreiche Bürger Blumen und Kerzen vor dem Hamlener Kreishaus ab, wo der 63-Jährige Butte am Freitagmorgen in seinem Büro erschossen worden war. Auch am Sonnabend kamen wieder zahlreiche Trauernde zum Kreishaus, um ihre Anteilnahme zu zeigen.

Attentäter lag mit Verwaltung im Clinch

Der Täter, ein 74 Jahre alter Rentner aus Nienstedt bei Bad Münder, richtete sich anschließend selbst. Nach Polizeiangaben hatte Hans B. mit der Verwaltung mehrere Jahre im Clinch gelegen. Was der aktuelle Anlass für den Mann war, den Landrat aufzusuchen, ist bisher unbekannt. Möglicherweise habe es mit "verwaltungsrechtlichen Auseinandersetzungen" zu tun, sagte der Göttinger Polizeipräsident Robert Kruse bei einer Pressekonferenz am Freitag.

Täter war polizeibekannt

Der Polizei war Hans B. seit Jahrzehnten bekannt: Seit den 60er-Jahren war er mehrfach wegen Körperverletzung, Betrugs und anderer Delikte aufgefallen. Dazu gehörten auch Verstöße gegen das Waffengesetz, weshalb B. bereits 1988 die Lizenz entzogen wurde. Woher er die Tatwaffe der Marke Smith & Wesson hatte, ist bisher unklar. Der 74-jährige war von seiner Ehefrau geschieden und lebte allein. In seinem Heimatort galt B. nach NDR Informationen als "seltsamer Kautz".

Weitere Reaktionen auf das Attentat

  • Uwe Kolmey, Präsident des Landeskriminalamts:

    "Die Angehörigen des Landeskriminalamtes Niedersachsen sind fassungslos, erschüttert und traurig. [...] Rüdiger Butte hat dieses LKA über vier Jahre lang erfolgreich mit absoluter Fachkompetenz, Zielstrebigkeit und Mitarbeiterorientierung geführt. Auch nach seinem Wechsel in das Amt des Landrates in Hameln-Pyrmont hat er, der stets freundliche und positive Mensch, den Kontakt zu seinen früheren Kolleginnen und Kollegen gehalten. Wir alle sind jetzt in Gedanken bei seiner Familie."

  • Dietmar Schilff, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei:

    "Ich bin erschüttert. Rüdiger Butte war in seiner Polizeidienstzeit ein überaus fachkundiger und sehr akzeptierter Fachmann in Fragen der Inneren Sicherheit. Als langjähriges Mitglied der Gewerkschaft der Polizei, der er auch in seiner Tätigkeit als Landrat treu geblieben ist, hat er stets die Interessen der Menschen in der Polizei mit im Fokus gehabt. Wir haben einen Freund verloren. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie. Wir werden Rüdiger Butte stets in guter Erinnerung behalten."

  • Hans Jörg Duppré, Präsident des Deutschen Landkreistags:

    "Die Nachricht vom gewaltsamen Tode unseres Kollegen macht mich tief betroffen. Landrat Butte war Mitglied des Wirtschafts- und Verkehrsausschusses des Deutschen Landkreistages. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie. Wir denken aber auch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landkreises."

  • Ralf Meister, Landesbischof der evangelischen Kirche:

    "Ich bin schockiert und tief betroffen über die Ermordung des Landrats Rüdiger Butte. Ich habe ihn bei unseren persönlichen Begegnungen als engagierten und den Menschen zugewandten Politiker kennen- und schätzen gelernt."

  • Anja Piel, Fraktionschefin der Grünen in Niedersachsen:

    "Der gewaltsame Tod von Rüdiger Butte, Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont, hat mich und alle, die ihn kannten, fassungslos gemacht. In seinen verschiedenen Funktionen habe ich ihn als einen klugen Politiker, überzeugten Demokraten und verlässlichen Menschen schätzen gelernt."

  • Björn Thümler, Fraktionschef der CDU Niedersachsen:

    "Im Namen der CDU-Landtagsfraktion möchte ich seiner Familie unser tief empfundenes Mitgefühl aussprechen. Wir sind erschüttert über diese furchtbare Tat."

  • Christian Dürr, Fraktionschef der niedersächsischen FDP:

    "Mit Entsetzen haben wir vom gewaltsamen Tod Rüdiger Buttes erfahren. Wir sind fassungslos und tief bestürzt. Die FDP-Fraktion spricht seiner Familie ihr tief empfundenes Mitgefühl aus."

zurück
1/4
vor

 

Butte war verheiratet, hatte Kinder und Enkel

Rüdiger Butte war seit 2005 Landrat im Kreis Hameln-Pyrmont. Zuvor war der Sozialdemokrat vier Jahre lang an der Spitze des niedersächsischen Landeskriminalamtes in Hannover. Er hinterlässt eine Frau, zwei Kinder und fünf Enkelkinder.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.04.2013 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

05:34
Hallo Niedersachsen
04:04
Hallo Niedersachsen
02:11
Hallo Niedersachsen