Stand: 02.12.2019 21:06 Uhr

Arzt aus Hannover wegen Volksverhetzung angezeigt

Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden hat Anzeige gegen einen Arzt und ehemaligen AfD-Funktionär aus Hannover erstattet. Der Mediziner verbreite unter anderem auf einer Internetseite Judenhass, beleidigende und verunglimpfende Inhalte, sagte der Verbandsvorsitzende Michael Fürst. Dies sei "hochantisemitisch". Die Staatsanwaltschaft Hannover prüft nun, ob sie Ermittlungen wegen Volksverhetzung einleitet. Das bestätigte ein Sprecher NDR 1 Niedersachsen. Zuvor hatte bereits der Berliner Verein "Werte-Initiative" Anzeige erstattet.

US-Politiker wird beschimpft

Auf der Internetseite des Mediziners ist unter anderem eine Foto-Collage mit dem Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl 2020, Michael Bloomberg, zu sehen. Dem Politiker der Demokratischen Partei und früheren Bürgermeister von New York, der selbst Jude ist, wurde ein Davidsstern auf die Stirn montiert. Daneben sind Totenköpfe abgebildet. Zudem wird Bloomberg als "Scheißer" und "Jüdischer Wall Street Bankster" bezeichnet.

Hinweise auf antisemitisches Buch

Wie die Staatsanwaltschaft bestätigte, gab es zuvor bereits Hinweise auf ein Buch mit antisemitischen Äußerungen, das der Arzt privat erstellt haben soll. Da dieses aber nur für den persönlichen Gebrauch verfasst und nicht über den Buchhandel vertrieben wurde, kam es hier zunächst nicht zu Ermittlungen. Sollte sich zeigen, dass das Buch möglicherweise unter der Hand vertrieben wird, könnte sich dies ändern, so der Sprecher.

AfD fordert Arzt zum Parteiaustritt auf

Die AfD distanzierte sich von dem Arzt, der bisher dem Vorstand des Stadtverbands Hannover-Land-Ost angehörte. Aus der Partei hieß, der Mediziner sei gebeten worden, sein Mandat niederzulegen. Das habe er inzwischen getan. Außerdem habe man ihn aufgefordert, aus der Partei auszutreten. Der Arzt betreibt in Hannover eine Praxis für Allgemeinmedizin und Homöopathie.

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Niedersachsen 18.00 | 02.12.2019 | 18:00 Uhr

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