Stand: 10.01.2020 18:09 Uhr

Agrargipfel: Landwirte unzufrieden mit Gesprächen

Landwirte demonstrieren am Rande des Neujahrsempfangs im niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Am Rande des Neujahrsempfangs im Agrarministerium haben erneut Landwirte protestiert.

Nach dem Neujahrsempfang von Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) in Hannover haben sich Landwirte unzufrieden mit dem Ergebnis gezeigt. Am Freitag hatten sich die Ministerin, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und elf Landwirte aus der Protestbewegung "Land schafft Verbindung" zu einem zweistündigen Gespräch getroffen. Weil sie in bestimmten Gebieten wegen zu hoher Nitratwerte im Grundwasser weniger als notwendig düngen dürften, seien Betriebe gefährdet, so die Kritik der Landwirte. Deshalb würden sie die Proteste fortsetzen, sagte ein Sprecher der Bewegung NDR 1 Niedersachsen. Am kommenden Freitag würden deshalb wieder zahlreiche Landwirte demonstrieren, unter anderem mit Sternfahrten in einige Großstädte wie Berlin und Bremen. Die Landesregierung hatte sich nach Angaben der Initiative auf Vorgaben der EU berufen. Diese seien kaum mehr zu ändern. Die Landwirte fordern, auch andere Verursacher, die das Grundwasser gefährden, an den Maßnahmen zu beteiligen.

Umbau der Landwirtschaft kostet Milliarden

Agrarministerin Otte-Kinast hatte sich bei dem Treffen für mehr öffentliche Zuschüsse für die Landwirtschaft ausgesprochen, um einen Wandel der Branche zu finanzieren. Ohne Gelder ließen sich mehr Tierwohl und Umweltschutz nicht verwirklichen. Die Gesellschaft habe neue Anforderungen an die Landwirtschaft, so die Ministerin. Es könne aber nicht sein, dass die Kosten für mehr Tierwohl, Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit ausschließlich von den Landwirten getragen würden. Hintergrund: Das Bundeswirtschaftsministerium geht davon aus, dass ein Umbau der Landwirtschaft jährliche Zusatzkosten in Milliardenhöhe verursachen wird.

Vorbild: Ökologische Landwirtschaft

Als Vorbild kann laut Otte-Kinast die ökologische Landwirtschaft dienen. Diese bekäme höhere Preise für ihre Erzeugnisse und werde zugleich mit Prämien unterstützt. Nach demselben Modell könne auch ein Wandel der konventionellen Landwirtschaft funktionieren.

Verzweiflung - aber auch unsachliche Anschuldigungen

In den vergangenen Monaten hatten Landwirte immer wieder gegen die aktuelle Agrarpolitik protestiert. Sie kritisieren unter anderem schärfere Regeln, etwa beim Düngen. Die Proteste machten deutlich, wie groß die Verzweiflung auf den Höfen sei, sagte Otte-Kinast. Allerdings gebe es auch unsachliche Anschuldigungen an die Politik.

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Barbara Otte-Kinast (CDU), Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz von Niedersachsen, im Interview mit dem NDR. © Holger Hollemann/dpa Foto: Holger Hollemann

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.01.2020 | 15:00 Uhr

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