Das Krankenhaus Agaplesion Klinikum Schaumburg. © AGAPLESION EV. KLINIKUM SCHAUMBURG Foto: Nina Bernard

Abtreibung: Fühlen sich Frauen bei Agaplesion nicht willkommen?

Stand: 15.10.2021 15:29 Uhr

Schwangerschaftsabbrüche sind immer ein diffiziles Thema, auch in Obernkirchen. Offenbar scheuen Frauen eine Abtreibung in der Klinik des christlichen Agaplesion-Konzerns.

Patientinnen nehmen das Angebot von Schwangerschaftsabbrüchen nach sozialer Indikation in der Klinik offenbar kaum an, obwohl sie sich vorher haben beraten lassen. Der Landkreis ist mit zehn Prozent an dem Klinikum beteiligt. Landrat Jörg Farr (SPD) hat angekündigt, Gespräche mit Agaplesion führen zu wollen. An denen sollen auch die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises sowie Vertreterinnen und Vertreter der Beratungsstellen teilnehmen. Die Klinik teilte mit, dass sie zu konstruktivem Austausch bereit sei, wenn dabei Verbesserungsvorschläge herauskämen.

Weitere Informationen
Das Bild zeigt den Entwurf für das neue Klinikum Schaumburg aus der Vogelperspektive. © AGAPLESION gAG

Lösung im Streit um Schwangerschaftsabbrüche

Im neuen Schaumburger Klinikum können künftig doch Schwangerschaftsabbrüche bei sozialer Indikation durchgeführt werden. Zuvor hatte der christliche Betreiber dies abgelehnt. (7.12.2016) mehr

AWO-Chefin vermutet hohen Rechtfertigungsdruck

Wo liegt das Problem? In einem Kompromiss hatte sich Agaplesion vor vier Jahren dazu bereit erklärt, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten nach sozialen Kriterien Abtreibungen in der Klinik zu erlauben. Die Frauen müssen sich zuvor beraten lassen, beispielsweise bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Oft würden sie die Frauen nach der Beratung nicht wiedersehen, sagte AWO-Geschäftsführerin Heidemarie Hanauske dem NDR in Niedersachsen. Erklären könne sie sich die geringe Zahl der Abtreibungen nur so, dass die Frauen in Obernkirchen "sich nicht der Situation aussetzen wollen, sie seien nicht willkommen". Wenn sie in Rechtfertigungsdruck gerieten, suchten sie andere Wege und ließen die Abbrüche in anderen Landkreisen durchführen.

Weitere Informationen
"Stern"-Titelblatt mit der Überschrift "Wir haben abgetrieben!" (Coverbild vom 6. Juni 1971) © gemeinfrei

"Wir haben abgetrieben!": Als Frauen ihr Schweigen brachen

Am 6. Juni 1971 gestehen 374 Frauen im "Stern": "Wir haben abgetrieben!". Die Aktion gilt als Beginn der neuen Frauenbewegung. (11.5.2021) mehr

Eine Frau liegt auf einer Liege, ihr Bauch wird mit einem Ultraschallgerät untersucht © NDR Foto: Screenshot

Immer weniger Ärzt:innen bieten Schwangerschaftsabbrüche an

Fünfzig Jahre nach der Frauenbewegung und dem Kampf für Abtreibungen zeichnet sich ein düsteres Bild für ungewollt Schwangere in Deutschland ab. (11.5.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 15.10.2021 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Ein Mann bekommt seine Auffrischungsimpfung im Corona-Impfzentrum im Asklepios Klinikum Harburg. © picture alliance / dpa Foto: Christian Charisius

Testpflicht für Booster-Geimpfte könnte morgen entfallen

Dann müssten sich Geboosterte in Niedersachsen nicht mehr testen lassen. Das hat die Staatskanzlei heute angekündigt. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen