Stand: 14.11.2019 18:48 Uhr

Abgeschobene "IS-Rückkehrer" in Berlin gelandet

Nach ihrer Abschiebung aus der Türkei ist eine siebenköpfige deutsch-irakische Familie am Donnerstag in Berlin eingetroffen.

Die Türkei hat am Donnerstag sieben mutmaßliche Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) abgeschoben. Es handelt sich um eine siebenköpfige deutsch-irakische Familie aus dem salafistischen Milieu in Hildesheim. Am späten Nachmittag landete ein Flugzeug mit der Familie in Berlin. Mehrere Passagiere wurden anschließend in einem Polizeiwagen vom Rollfeld gefahren. Das türkische Innenministerium hatte die Familie aus Hildesheim als "ausländische Terroristenkämpfer" bezeichnet. Sie waren Ende Januar in die Türkei gereist und zwei Monate später in Abschiebehaft genommen worden. Ein Haftbefehl liegt gegen sie nicht vor.

CDU-Innenexperte: "Keine hochkarätig schwerwiegenden Fälle"

Der CDU-Innenexperte Armin Schuster warnte in Bezug auf die Abschiebung vor Hysterie. Er würde die Familie zwar "nicht als ungefährlich bezeichnen", sagte Schuster. Es handele sich aber um "keine hochkarätig schwerwiegenden Fälle". Er wies darauf hin, dass die Familie den vorliegenden Erkenntnissen zufolge nicht in Syrien gewesen sei und nicht an Kampfhandlungen teilgenommen habe.

Weitere Informationen

Abgeschobene IS-Rückkehrer: Fragen & Antworten

Was bedeutet die Rückkehr von abgeschobenen IS-Anhängern nach Deutschland? Wie gefährlich sind diese Menschen? NDR.de beantwortet die wichtigsten Fragen zu der Problematik. (14.11.2019) mehr

De Vries: "Enger Austausch mit BKA und Bundesinnenministerium"

Beim Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen wisse man zwar einiges über die Familie, da sie zuvor in Hildesheim gelebt habe, sagte LKA-Chef Friedo de Vries dem NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen. Diese Erkenntnisse seien allerdings etwas veraltet: "Die Familie ist bereits längere Zeit im Ausland." Ob es sich um IS-Sympathisanten handelt, könne das LKA "noch nicht mit abschließender Sicherheit einschätzen", so de Vries weiter. Hierzu tausche sich das Auswärtige Amt mit der Türkei aus. "Wir haben die Forderung, dass die Informationen, die im Austausch mit der Türkei auf Bundesebene generiert werden, unmittelbar auch nach Niedersachsen fließen. Dazu haben wir einen engen Austausch sowohl mit dem Bundeskriminalamt als auch mit dem Bundesinnenministerium."

Videos
03:49
Hallo Niedersachsen

Türkei schiebt deutsche Islamisten ab

12.11.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Die Türkei schiebt eine deutsche Familie nach Niedersachsen ab. Sie soll Verbindungen zu radikalen Islamisten haben. Im Januar soll sie aus Hildesheim ausgereist sein. Video (03:49 min)

Familienmitglieder unterschiedlich stark radikalisiert

In der Zeit, in der die Familie in Niedersachsen lebte, habe sie "sehr wohl Radikalisierungstendenzen gezeigt", sagte der LKA-Chef. Die einzelnen Familienmitglieder seien aber in unterschiedlichem Maße Anhänger des Salafismus. "Insofern wird jetzt die Aufgabe sein, diese Gefahr einzuschätzen und darauf zu reagieren."

Rückkehrer sollen integriert werden

Die Kompetenzstelle Islamismusprävention Niedersachsen kümmert sich inzwischen in mehr als einem Dutzend Fällen um Rückkehrer aus den Kampfgebieten des IS. Ziel ist es, sie wieder gesellschaftlich zu integrieren und ein Wiedereintauchen in die extremistische Szene zu verhindern.

Weitere Informationen
NDR Info

Schuster: Je nach Gefährlichkeit wird überwacht

NDR Info

Mutmaßliche IS-Anhänger werden nach der Abschiebung aus der Türkei von deutschen Behörden intensiv überprüft. Das sagte CDU-Innenexperte Armin Schuster auf NDR Info. mehr

Zahl der Salafisten in Niedersachsen steigt

Die Zahl der Salafisten in Niedersachsen ist leicht gestiegen: Rund 900 Personen bekennen sich zur radikalislamischen Szene, vor ein paar Monaten waren es noch 880 gewesen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.11.2019 | 18:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

01:35
Hallo Niedersachsen
04:41
Hallo Niedersachsen
04:05
Hallo Niedersachsen