Die historische Dampflokomobile "Angelika" steht für eine Restaurierung in einer Werkstatt. © dpa - Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich

98-jährige "Angelika" steht bald wieder unter Dampf

Stand: 05.10.2020 11:59 Uhr

"Angelika" ist eine sogenannte Dampflokomobile. Die fahrbare Dampfmaschine wurde früher in der Landwirtschaft eingesetzt, um Dreschkästen, Sägen oder Pumpen anzutreiben.

Ein Fachmann der Eisenbahnwerkstätten Krefeld hat geholfen, die Dampfmaschine aus dem Jahr 1922 wieder fit zu machen. Für solche Aufgaben gibt es allerdings kaum Kapazitäten, denn weil Dampfmaschinen seit langem ausgedient haben, sind Experten rar geworden. Die wenigen Fachleute haben dafür viel zu tun. "Wir sind so ausgelastet, dass wir große Sachen gar nicht annehmen", sagt der Fachmann aus Krefeld. Der Experte befasst sich sonst mehr mit Dampfloks, wie er sagt: "Wir haben mit Lokomobilen sehr wenig zu tun, weil es nicht so viele gibt."

"Angelika" soll öffentlich gezeigt werden

In Bockenem-Störy (Landkreis Hildesheim) unterstützte er die Hanomag-Interessengemeinschaft dabei, für "Angelika" das gefragte TÜV-Siegel zu bekommen, damit die Maschine öffentlich gezeigt werden kann. "Angelika" gehört den Mobilen Welten, einem gemeinnützigen Verein nahe Hannover.

Britische Dame mit geheimnisvollem Innenleben

Ursprünglich ist "Angelika" eine Britin. Gebaut wurde sie bei Marshall & Sons im britischen Gainsborough. Um die Dampfmaschine wieder zum Laufen zu bringen, haben die Hanomag-Freunde Zeichnungen vergleichbarer Maschinen aus dem Vereinigten Königreich besorgt. Leicht sei der Job jedoch nicht gewesen, sagen die Technikbegeisterten.

Wenig Wissen schriftlich überliefert

Denn die Technik ist um 200 Jahre alt, viel von dem damaligen Wissen wurde nicht schriftlich festgehalten, wie Mark Kamin von der Interessengemeinschaft erklärt. "Das Know-how ist kurz vor dem Verschwinden." Er hat ein besonderes Verhältnis zu der alten Maschine: "Für mich ist das wie Archäologie, man kratzt an Wissen, das man sich mühsam erarbeiten muss."

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TÜV bei Druckkesseln streng

Schwierig sei die Neuanfertigung der verschlissenen Rauchrohre gewesen. Diese Rohre verlaufen durch den 1.000 Liter fassenden Kessel. Durch sie strömt der heiße Dampf, der in der Feuerbüchse des Kessels erzeugt wird. Dabei wird Wasser erhitzt, es bildet sich Dampf, der die Maschine antreibt. Nach der Wiederinbetriebnahme waren zwei Rohre bei "Angelika" undicht geworden, daher seien sicherheitshalber alle 33 Rauchrohre getauscht worden, sagt Kamin. Ein Verschleißteil, allerdings seien die TÜV-Vorgaben für den Druckkessel streng. Und es gebe nicht mehr viele Firmen, die die alte Technik beherrschen. Denn die Rohre werden per Druck "eingewalzt", wie die Experten sagen, eine Technik aus der Zeit, als es nicht möglich war, zu schweißen.

Prüfung im zweiten Anlauf bestanden

Die Rohre halten normalerweise 10 bis 15 Jahre, wie Vereinsvorstand Horst-Dieter Görg sagt. In diesem Fall aber waren sie mindestens 25 Jahre alt. Auch das Werkzeug dafür "kriegt man nicht in jedem Baumarkt", meint Kamin lachend. Und nur zugelassene Materialien würden verwendet: "Wir wollen sicher arbeiten und nicht in die Luft fliegen." So bereiteten die Vereinsmitglieder die Rohre vor, beim Einwalzen halfen Experten der Eisenbahnwerkstätten Krefeld. Nachdem "Angelika" im ersten Anlauf durch die TÜV-Prüfung gefallen war, hat es beim zweiten Mal geklappt. Wenn die Restaurierung der alten Dame abgeschlossen ist, kann sie vor Publikum wieder losdampfen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 05.10.2020 | 17:00 Uhr

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