Stand: 25.08.2020 17:42 Uhr

400 Jahre altes Buch in Hannover vorgestellt

Peter Burschel, Museumsdirektor der Herzog-August-Bibliothek, steht neben einem 400 Jahre alten Buch. © dpa-Bildfunk Foto: Peter Steffen/dpa
Museumsdirektor Peter Burschel von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel präsentiert das 400 Jahre alte Buch "Album Amicorum" im Sprengel Museum Hannover.

Niedersachsen beherbergt einen ganz besonderen Schatz: Die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel hat ein 400 Jahre altes Buch für 2,8 Millionen Euro erworben. Der Historiker Peter Burschel, Leiter der Bibliothek, und Björn Thümler (CDU), Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, haben das Werk am Dienstag im Sprengel Museum in Hannover präsentiert. "Der Erwerb des Großen Stammbuchs Hainhofers ist eine Sensation und ein Glücksfall für den Kulturguterhalt in Deutschland", sagte Thümler bei der Präsentation. Damit sei sichergestellt, "dass der herausragende Kulturschatz nationalen Ranges auf Dauer für die Allgemeinheit zugänglich sein wird". Für Burschel ist es die "wichtigste Erwerbung der Herzog August Bibliothek seit dem Kauf des Evangeliars Heinrichs des Löwen und Mathildes von England: kulturgeschichtlich, kulturanthropologisch - und nicht zuletzt ästhetisch".

VIDEO: Wolfenbütteler Bibliothek kauft historisches Buch (4 Min)

Angebot über Auktionshaus Sotheby’s

Das "Album Amicorum" war viele Jahre verschwunden. Erst 1931 soll es wieder aufgetaucht sein, wie eine Sprecherin des Kulturministeriums auf NDR Anfrage sagte. Es sei der Wolfenbütteler Bibliothek über das Auktionshaus Sotheby’s angeboten worden. Der Verkäufer wolle anonym bleiben, hieß es aus dem Ministerium. Auf Wunsch der Herzog August Bibliothek sei das Werk nun in Hannover vorgeführt worden. Das Auditorium des Sprengel Museums habe sich vor dem Hintergrund der Abstandsregelungen am besten geeignet, so die Ministeriums-Sprecherin.

"Album Amicorum" ist ein barockes Poesiealbum

Bei dem Werk handelt es sich laut Burschel um eine Art Freundschaftsbuch oder frühe Form eines Poesiealbums des Augsburger Kunsthändlers Philipp Hainhofer aus der Barock-Epoche. Hainhofer hat das Buch zwischen 1596 und 1633 angelegt. Auf 227 Seiten hätten sich Kaiser, Könige, Diplomaten und Militärs handschriftlich verewigt, hieß es in Hannover. Zahlreiche Illustrationen ergänzten die kurzen Grüße.

Album lagert neben Evangeliar Heinrichs des Löwen

Der Kauf wurde unter anderem vom Land Niedersachsen, dem Bund, der Kulturstiftung der Länder und weiteren Stiftungen unterstützt. Darüber hinaus finanziert das Land über die VolkswagenStiftung ein auf drei Jahre angelegtes Forschungsprojekt an der Herzog August Bibliothek, das die Entstehung und Geschichte des Stammbuchs und seiner künstlerischen Ausgestaltung untersucht. Das Album wird sicher in einem klimatisierten, begehbaren Safe der Bibliothek verwahrt, in dem auch das mittelalterliche Evangeliar Heinrichs des Löwen lagert. Dies war lange Zeit das mit 16 Millionen Euro teuerste Buch der Welt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Aktuell | 24.08.2020 | 08:00 Uhr

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