Stand: 11.12.2012 18:32 Uhr  - Panorama 3  | Archiv

Rechte Hooligans: Das unterschätzte Problem

von Torben Börgers, Philipp Hennig & Andrej Reisin

Neonazis im Stadion: Auch anderswo ein Problem

Rechte Hooligans
Rechte Hooligans sind nicht nur außerhalb des Stadions ein Problem.

Die Bremer Erfahrungen sind kein Einzelfall: In Aachen müssen antirassistische Fans seit mehr als einem Jahr vor Übergriffen geschützt werden - immer wieder werden sie von rechtsradikalen Mitgliedern der Ultra-Gruppe "Karlsbande" attackiert - sowohl im als auch im Umfeld des Stadions. Auf dem Aachener Tivoli müssen die linken Fans mittlerweile in einem anderen Block stehen - weil die Sicherheit sonst nicht zu gewährleisten wäre. Selbst beim deutschen Meister Borussia Dortmund enthüllten einzelne Fans kürzlich im Stadion ein Transparent, auf welchem sie zur Solidarität mit einer kurz zuvor verbotenen Neonazi-Gruppe aufforderten.

Angst und Abwehr bei Eintracht Braunschweig

Braunschweigs Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt © imago/Joachim Sielski
Lehnt rechtsradikale Gruppierungen ab, sieht aber keinen akuten Handlungsbedarf: Soeren Oliver Voigt, Geschäftsführer von Eintracht Braunschweig.

Auch beim Zweitliga-Tabellenführer Eintracht Braunschweig verbreiten Rechtsextreme Angst. Auch dort fühlt sich eine Fangruppe, die sich gegen Rassismus und Diskriminierung starkmacht, bedroht, wie ein Betroffener erzählt: "Wenn sich jemand gegen die wehrt, dann melden die sich zu Wort und dann gibt es Gewaltandrohungen. Wenn Leute von uns sich in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in der Innenstadt auf diese rechten Hooligans treffen, werden wir bedroht und häufig auch körperlich angegriffen."

Braunschweiger Fußball-Fan Opfer rechter Gewalt
Fans, die sich gegen Rassismus und Diskriminierung stark machen, werden in Braunschweig bedroht.

Doch bei Eintracht Braunschweig gibt man sich wortkarg. Man habe das Problem im Griff, früher sei doch alles noch viel schlimmer gewesen, so die Reaktion des Vereins. Eintracht-Geschäftsführer Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt meint: "Es gibt in ganz Braunschweig um die 20 bis 25 Personen die einem rechten, teilweise extremen Spektrum zuzuordnen sind. Die sind aber nicht alle im Stadion, das muss man auch mal ganz klar so sagen."

Abstreiten hilft nicht weiter

Gerd Dembowski, Fan-Forscher
Gerd Dembowski sieht in der Vogel-Strauss-Politik der Vereine gegenüber rechtsradikalen Fans den Nährboden für eben diese Entwicklung.

Für den Fanforscher Gerd Dembowski, der an der Universität Hannover in der "Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit" (KoFaS) arbeitet, eine fahrlässige Reaktion: "Die Abwehrreaktion von Eintracht Braunschweig ist etwas, was wir sehr häufig erleben in der Praxis. Wenn der Verein das Problem abstreitet, egal wie groß es ist oder wie klein, hilft es natürlich nicht nur den Leuten, die jetzt schon da sind und neonazistisch sind, sondern es bereitet vor allem mit den Boden, dass auch neue Leute dazukommen."

Was macht eigentlich die DFL?

Das Stadion als Plattform für Rassismus und Rechtsextremismus - dagegen könnte sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) klar positionieren und Maßnahmen ergreifen. Monatelang wurde über Gewalt im Fußball diskutiert, mit dem Konzeptpapier "Sicheres Stadionerlebnis" als Ergebnis. Darin: ein Katalog von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit bei Fußballspielen. Die Gewalt rechter Hooligans findet im Sicherheitspapier dagegen keine besondere Erwähnung. Zu einer Stellungnahme dazu war die DFL trotz mehrfacher Anfragen von Panorama 3 leider nicht bereit.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 11.12.2012 | 21:15 Uhr

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