Stand: 24.02.2020 14:07 Uhr

Wohnungsnot: Anlaufstelle für Frauen erfolgreich

In einem Zimmer der Notunterkunft für wohnungslose Frauen "Unter uns" stehen die Sozialarbeiterinnen Mona Bothe (links) und Patricia Kirsch. © dpa - Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
Die Sozialarbeiterinnen Mona Bothe (links) und Patricia Kirsch kümmern sich um die Frauen, die die Anlaufstelle "Unter uns" in Braunschweig aufsuchen.

Die Wohnung ist einfach eingerichtet: Zwei Betten, ein Tisch und Stühle stehen darin. Es ist ein Zufluchtsort für Frauen, die sich in einer Notlage befinden. Den genauen Standort hält der Projektträger, die Diakonische Gesellschaft Wohnen und Beraten, zum Schutz der Betroffenen geheim. Wer hier Zuflucht sucht, kann sich an die Anlaufstelle "Unter uns" in Braunschweig wenden. Vor einem halben Jahr wurde sie gegründet - für Frauen, die von Wohnungsnot bedroht sind. Konkrete Übernachtungszahlen liegen noch nicht vor. "Wir sind nicht durchgängig belegt, merken aber, dass sich das Angebot lohnt", sagte Patricia Kirsch von der Diakonischen Gesellschaft Wohnen und Beraten in Braunschweig.

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Frauen können bleiben, bis ihre Situation geklärt ist

Einer der wichtigsten Aspekte sei, dass Frauen bleiben könnten, bis geklärt sei, wohin sie anschließend gehen können, so Kirsch. So müssen beispielsweise Frauen, die zu Hause Gewalt erfahren haben, nicht wieder dorthin zurückgeschickt werden. "Solche Kreisläufe wollen wir durchbrechen", sagte Kirsch. Zusammen mit ihrer Kollegin Mona Bothe ist sie in der Beratungsstelle am Kohlmarkt aktiv. Dort können sich Frauen auch einfach austauschen, ausruhen und bei Bedarf Unterstützung in Anspruch nehmen. Gefördert wird das auf drei Jahre ausgerichtet Modellprojekt mit 300.000 Euro vom Land Niedersachsen.

Treff richtet sich ausschließlich an Frauen

Anstoß für das Projekt war die hohe Zahl betroffener Frauen in Braunschweig. Den Sozialarbeiterinnen zufolge waren im November 2018 von 118 Frauen, die um Hilfe baten, 68 akut wohnungslos und zehn unmittelbar von Wohnungslosigkeit bedroht. Die Projektträger gehen davon aus, dass die Dunkelziffer noch höher liegt. Im August 2019 startete dann der Treff "Unter uns", der sich ausschließlich an Frauen richtet. Die Sozialarbeiterinnen Kirsch und Bothe wollen das Projekt nun weiter bekannt machen, auch um auf die prekäre Lebenssituation betroffener Frauen aufmerksam zu machen.

54 Beratungsstellen und 35 Tagesaufenthalte im Land

In der Beratungsstelle "unter uns" sitzen die Sozialarbeiterinnen Patricia Kirsch (links) und Mona Bothe. © dpa - Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
Die Sozialarbeiterinnen bieten betroffenen Frauen Unterstützung an.

Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD) hatte Wohnungslosigkeit kürzlich als "eine besonders prekäre Form von Armut und sozialer Ausgrenzung" bezeichnet. "Wir müssen diesen Menschen in Not helfen", sagte sie bei einer Tagung mit Fachleuten im Januar. Laut Ministerium gibt es mit 54 Beratungsstellen und 35 Tagesaufenthalten ein flächendeckendes Angebot an ambulanten Hilfen. Darüber hinaus gebe es mehr als 1.300 Plätze in stationären Einrichtungen. Dafür stellte das Land im vergangenen Jahr rund 33,7 Millionen Euro zur Verfügung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 24.02.2020 | 13:30 Uhr

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