Stand: 13.11.2019 08:00 Uhr

Wie geht es weiter an der Weddeler Warte-Schleife?

Klaus Mohrs ist genervt. "Hin und wieder müssen auch mal mündliche Zusagen greifen", sagte er NDR.de. Vor seiner Wahl zum Oberbürgermeister in Wolfsburg war der SPD-Politiker etwa zehn Jahre Erster Stadtrat. Und schon damals war ein Thema aktuell: die "Weddeler Schleife". Dabei handelt es sich um eine etwa 20 Kilometer lange Zugverbindung von Braunschweig nach Wolfsburg. Die Strecke soll auf zwei Gleise ausgebaut werden. Doch wer genau was bezahlen soll, das ist noch unklar. Am Donnerstag tagt der Haushaltsausschuss des Bundestages. Die "Weddeler Schleife" steht auf der Tagesordnung.

Keine Priorität im Bundesverkehrswegeplan?

Insgesamt sollen die Arbeiten etwa 150 Millionen Euro kosten. Nach jüngsten Berichten fehlt aber in den Plänen zur Finanzierung fast die Hälfte der Summe. Wie kann das sein? Der frühere Verkehrs- und heutige Umweltminister in Niedersachsen, Olaf Lies (SPD), hatte versucht, das Projekt ohne den sogenannten Bundesverkehrswegeplan umzusetzen. "Dort hätte der Bau auch vermutlich keine hohe Priorität gehabt", glaubt Gisela Noske vom Regionalverband Großraum Braunschweig. Der Nachteil: Es gab bislang offenbar lediglich mündliche Absprachen zur Finanzierung, aber nichts Schriftliches.

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Geplanter Ausbau der "Weddeler Schleife"

Die Bahn plant zwischen Wolfsburg und Braunschweig den zweigleisigen Ausbau der Strecke. Download (221 KB)

14.000 Pendler - pro Tag

Dabei steht die Planung seit Jahren. Ende der 1990er-Jahre wurde die Strecke gebaut, im September 1998 eingeweiht. Doch das Geld war knapp. Deshalb wurde nur eingleisig gebaut, obwohl eigentlich zweigleisig geplant war. Die Verbindung ist gefragt: Laut Pendleratlas der Bundesagentur für Arbeit sind jeden Tag 11.000 Menschen aus Braunschweig nach Wolfsburg unterwegs; dazu kommen 2.700 in der Gegenrichtung. "Hier rollt jeden Tag eine Blechlawine", sagt Oberbürgermeister Mohrs. Er fordert Bund und Land auf, nicht nur darüber zu reden, den Bahnverkehr zu stärken, sondern zu handeln. "Dann würden auch hier deutlich mehr Leute auf den Zug umsteigen."

Land "Projekt ist baureif"

Vom Landesverkehrsministerium hieß es auf Anfrage von NDR.de: "Der Bund hat seine Bereitschaft zur Unterstützung zugesagt und prüft derzeit eine Lösung. Daher sind wir zuversichtlich, dass das Projekt letztendlich umgesetzt werden kann." Das Projekt sei baureif und sollte jetzt unbedingt realisiert werden. Auch Mohrs drängt auf eine Entscheidung von Bund und Land und das "möglichst schnell", wie er sagt. Minister Lies habe mit Staatssekretär Enak Ferlemann und dem Regionalverband eine Lösung erarbeitet. "Mir ist nicht klar, warum die jetzt nicht greift", so Mohrs. Vom Bundesverkehrsministerium gab es trotz wiederholter Anfrage keine Stellungnahme zum Thema.

Sperrpausen wollen genutzt werden

Auch beim Regionalverband findet man das zweite Gleis unabkömmlich. "Hier herrscht schon sehr viel Verkehr", so Sprecherin Noske. Wünschenswert sei ein Halb-Stunden-Takt - genügend Züge seien da. Wenn es aber noch dauert mit der Verständigung über die Finanzierung wird man sich auf eine längere Warteschleife einrichten müssen. Denn die Beantragung der sogenannten Sperrpausen, also der Zeiten, an denen die Bauarbeiten über die Bühne gehen sollen, geht nicht von heute auf Morgen. Für die "Weddeler Schleife" sind diese Pausen für die Jahre 2021 und 2022 genehmigt.

Weitere Informationen

"Weddeler Schleife": Tauziehen um teuren Ausbau

Für den Ausbau der Bahnstrecke Wolfsburg-Braunschweig fehlen 71 Millionen Euro. Trotzdem will das Land Niedersachsen die "Weddeler Schleife" wie geplant um ein Gleis erweitern. (08.11.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.11.2019 | 08:00 Uhr

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