Ein Paketzusteller scannt in einem Lager Paketsendungen ein. © NDR

Wie Corona und Weihnachten zusammen - Paketbote im Stress

Stand: 10.12.2020 15:13 Uhr

Klaus-Peter Traupe stellt seit rund 30 Jahren in Braunschweig Pakete zu. Kurz vor Weihnachten hat er besonders viel zu tun. Für die Vorwürfe von Kunden hat der 53-Jährige wenig Verständnis.

von Peter Jagla

Es piept und piept und piept ohne Pause in der riesigen DHL-Pakethalle in Braunschweig. Rote Laserstrahlen scannen schwarz-weiße Barcodes auf ungezählten Paketen von nah und fern. Schon kurz nach Mitternacht beginnen die ersten Mitarbeitenden mit ihrer Arbeit. Normalerweise wird die Tür erst morgens um 4.30 Uhr geöffnet - nicht jedoch in der Vorweihnachtszeit. Um 9 Uhr herrscht in der Halle ein wuseliges Treiben: Paketboten tragen Pakete und Päckchen in 30 kleine Transporter, die gleich in alle Richtungen der Braunschweiger Innenstadt fahren werden. Sind sie weg, kommen die nächsten 30 Transporter. Traupe ist einer der Paketzusteller. Er scannt mit seinem Scanner heute fast 300 Pakete. "Den Stress macht man sich selber", sagt der verbeamtete Zusteller, "aber irgendwann geht es echt an die Substanz, wenn man jeden Tag so viel laufen muss."

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Eine Frau packt ein Päckchen. © fotolia Foto: contrastwerkstatt

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Trotz Corona wieder alles beim Alten

Der gebürtige Braunschweiger ist schon seit drei Jahrzehnten für die Post mit Paketen und Päckchen unterwegs. Als Corona dieses Jahr alles verändert hat, änderte sich auch sein Job, sagt der 53-Jährige, als er mit vier Päckchen in der Hand in einem Treppenhaus nach oben spurtet: "Am Anfang konnten wir die Pakete oft unten stehen lassen. Aber jetzt ist das irgendwie wieder alles wie vergessen." Die Menschen erwarteten, dass er bis an die Haustür komme, sogar wenn es die Dachgeschosswohnung sei. "Uns würde helfen, wenn die Leute uns wenigstens etwas entgegenkommen", sagt Traupe. Obwohl zurzeit viele Menschen im Homeoffice sind, machen nicht alle auf, wenn er mit einem Paket vor der Tür steht. "Ich wurde auch schon oft angepflaumt", sagt der Zusteller. "Dann sagen die Leute, dass sie gerade in einem Meeting sind oder so und warum ich denn bei ihnen klingeln würde", zitiert der Paketzusteller und schüttelt nur den Kopf. Dabei mache er doch nur seinen Job.

"Ich klingele immer!"

Ein Paketbote steht vor einer Haustür. © NDR
Klaus-Peter Traupe klingelt bei jedem Paket-Empfänger, wie er sagt.

Der Zusteller kennt die Kritik, die sich Paketboten oft anhören müssen: Dass sie nie klingelten, dass sie gar nicht erst versuchten, Päckchen zuzustellen, sondern direkt in eine Filiale bringen oder dass Pakete viel zu spät geliefert werden. "Ich klingele immer", versichert der 53-Jährige und ist dabei fast sauer. Er mache seinen Job leidenschaftlich gerne - und gut. Aber mittlerweile gebe es so viele unterschiedliche Firmen und auch bei DHL viele unterschiedliche Zusteller. "Natürlich kann es da mal schwarze Schafe geben", sagt Traupe, fügt aber hinzu, dass es oft auch an den Empfängern liege. "Wenn mir einer sagt, er sei den ganzen Tag daheim gewesen, ich ihn aber im Garten beim Wäsche aufhängen gesehen habe, dann frage ich mich schon: Hatte er seine Türklingel dann mit im Garten?"

Missverständnisse beim Blick aus dem Fenster

Auch die posteigene Navigationssoftware, mit der der Paketbote durch die engen Straßen und Gassen der Braunschweiger Nordstadt kurvt, sei "Fluch und Segen" zugleich, so Traupe. "Für uns ist sie eine große Hilfe, weil das Programm die perfekte Route berechnet." Manchmal passe er die Wege aber auch ein bisschen an, er kenne seinen Bezirk und eventuelle Baustellen einfach besser, schließlich sei er seit acht Jahren dort unterwegs. "Die Infos aus der App landen dann aber auch beim Empfänger, der in seiner App sehen kann, wann ich ungefähr mit dem Paket ankomme", so Traupe. "Manchmal sehen mich Menschen schon früher in der Straße, doch dann biege ich ab, fahre erst woanders lang und komme mit dem Paket erst später. Dann meckern sie oft, weil sie denken, dass ich doch eigentlich schon fast vor der Tür war und warum ich dann nicht gleich auch zu ihnen gekommen bin."

Treuer Kunde: Die Packstation

Ein "Kunde", der dagegen immer da ist und auch nicht meckert, ist die Packstation. Morgens fährt Traupe sie in seinem Zustellbezirk im Braunschweiger Norden immer zuerst an. Dann scannt er meist rund 100 Pakete. "Die Menschen nutzen das immer häufiger", sagt der Bote, "denn dann müssen sie nicht bei Nachbarn klingeln, wenn sie selbst mal nicht zu Hause sind." Nach und nach öffnen sich die kleinen Paketschlitze. Traupe füttert sie mit großen und kleineren Päckchen. Doch das Problem: "Weil es jetzt so viele Pakete gibt und die Menschen neun Tage Zeit haben, sie abzuholen, habe ich oft keinen Platz für alle Pakete." Deswegen bleiben am Ende häufig noch welche übrig, die nicht mehr in die Packstation passen. "Ich muss dann am Ende meiner Tour wieder hier hin", sagt der Zusteller fast resigniert, "dann haben in der Zwischenzeit vielleicht schon einige Menschen ihr Paket abgeholt und ich kann weitere loswerden."

Der Tag, der sein Leben veränderte

Einen Tag wird Traupe aber wahrscheinlich nie vergessen. Das war noch lange vor Corona, als er als Zusteller noch durch die Innenstadt Pakete getragen hat. "Damals bin ich auch immer in einen Laden gegangen, wo eine Frau gearbeitet hat", erinnert er sich, "und als ich da einmal ankam und mich wohl recht laut angekündigt habe, hat sie sich so sehr erschrocken, dass sie fast vom Hocker gefallen ist." Mittlerweile, so erzählt er mit einem so breiten Grinsen, dass man es sogar unter seiner Maske erkennt, seien die beiden schon lange verheiratet. Dann geht der Türsummer. "Hallo?", sagt eine Stimme aus der Gegensprechanlage. "Hallo, ich habe ein Paket für Sie!", antwortet der Zusteller, drückt die Tür auf und verschwindet im Treppenhaus. Er muss wieder laufen. Vierte Etage. Dachgeschoss.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Hallo Niedersachsen | 10.12.2020 | 19:30 Uhr

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