Stand: 01.01.2020 16:47 Uhr  - Niedersachsen 18.00

Wetter digital: Neue Ära auf dem Brocken

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Frostiger Arbeitsplatz: In der Wetterwarte auf dem Brocken zieht ab dem 1. Januar 2020 neue Messtechnik ein.

Seit 180 Jahren kämpfen Wetterbeobachter auf dem Brocken mit Orkanen, finden ihren Weg durch dichten Nebel, trotzen Eis und Schnee. Mit ihrem Einsatz für die Erfassung exakter Daten zum Wetter ist zum 1. Januar aber Schluss. Dann hält modernste Messtechnik in einer der bekanntesten Wetterwarten Deutschlands Einzug und automatisiert die Arbeit auf dem 1.141 Meter hohen Gipfel des Harzes. Das teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Bis Ende Dezember 2020 aber sollen noch ein paar Mitarbeiter die Radioaktivität von Hand messen - bis auch diese Arbeit Ende 2020 von Computern durchgeführt wird.

Schneehöhensensor fehlt noch

Stationsleiter Marc Kinkeldey arbeitet seit 2001 als Wetterbeobachter auf der Brocken-Wetterwarte. Die fünfstöckige Station entstand im Jahr 1937 und ist bei gutem Wetter auch aus der Ferne gut zu erkennen. Viele der Messgeräte stehen auf dem Dach des Gebäudes. Der 40 Jahre alte Kinkeldey misst derzeit noch im Schichtsystem gemeinsam mit seinen Kollegen rund um die Uhr unter anderem Niederschlagsmengen, Sichtweiten, Temperatur, Sonnenstunden, wie er erzählt. Wenn die Schneehöhe zu bestimmen ist, steuerten sie elf feste Punkte mit schwarz-gelben Messstangen am Berg an. Dass die Technik den Wetterbeobachtern hilft, ist jedoch nicht neu: Bereits seit Mitte der 1990er-Jahre hielt sie Einzug, ermittelte zunächst Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit, Luftdruck und teils auch die Sonnenstunden, erklärte Kinkeldey. Zum Jahresbeginn soll sie weitere Daten wie Niederschlagsmengen und Sichtweiten übernehmen. Laut DWD fehlt auf dem Bocken aber noch der Schneehöhensensor und der Niederschlagssammler in der Bergversion.

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Fast 19 Jahre als Wetterbeobachter auf dem Brocken: Marc Kinkeldey.
162 von 182 DWD-Stationen schon vollautomatisch

Die Einführung der neuen Technik begründet der DWD mit einem gewachsenen Aufgabenspektrum des nationalen Wetterdienstes - während die Personalressourcen eben nicht wüchsen. Deshalb werde seit einigen Jahren Schritt für Schritt das gesamte Messnetz automatisiert. Gut 160 von 182 hauptamtlichen DWD-Stationen arbeiteten schon vollautomatisch, so der DWD. Die Beschäftigten der Wetterwarten werden dem Wetterdienst zufolge in anderen Aufgabengebieten weiterbeschäftigt. Stationsleiter Kinkeldey wird ab Januar teils an Flugwetterwarten auf Flughäfen unterwegs sein. Und auf dem Brocken die Radioaktivität messen - zumindest solange das noch per Hand geschieht.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 30.12.2019 | 18:00 Uhr

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