Stand: 15.03.2020 08:15 Uhr

Wegen Kröten: Tierschützer fordern Straßensperrung

Eine Kröte auf einer Straße, im Hintergrund ein Pkw.  Foto: Patrick Pleul
Beim Überqueren von Straßen sind Kröten extrem gefährdet. (Archivbild)

Seit ein paar Wochen wandern auch in Niedersachsen die Kröten wieder. Auf dem Weg zu ihren Laichgewässern müssen sie vielerorts Straßen überqueren, was nicht ungefährlich ist. Im Landkreis Wolfenbüttel fordern Tierschützer deshalb jetzt, eine Landesstraße nachts komplett zu sperren. Das letzte Wort in der Sache aber hat das Land - und das stellt sich bislang quer.

VIDEO: Tierschützer fordern Straßensperrung wegen Kröten (2 Min)

Viele Kröten werden überfahren

Zweimal am Tag kommt Susanne Scholz an die L629 zwischen Lucklum und Volzum. Die ehrenamtliche Helferin liest entlang eines Grabens Kröten auf, die von einem Amphibienschutz-Zaun daran gehindert werden, auf die Straße zu hüpfen. In einem Eimer trägt sie die Tiere auf die andere Straßenseite und setzt sie dort in den Teich. Die Tiere leben gefährlich, denn sie wandern von beiden Seiten über die Fahrbahn. Der Schutzzaun steht jedoch nur auf einer Straßenseite. "Wenn wir abends 200 Tiere finden, dann kann man davon ausgehen, dass auf der ganzen Strecke bestimmt 30, manchmal auch 50 totgefahren werden", sagt Scholz NDR 1 Niedersachsen.

Tierschützer hält Sperrung für machbar

Diethelm Krause-Hotopp von der örtlichen Amphibiengruppe fordert deshalb seit langem, dass die Strecke nachts komplett gesperrt wird. Nicht zuletzt, weil ehrenamtliche Helfer fehlen um weitere Schutzzäune zu betreuen. Eine Sperrung wäre überhaupt kein Problem, betont Krause-Hotopp. "Der Umweg ist so gering für die Autofahrer. Aber für die Landesbehörde hat hier der Verkehr Priorität und nicht der Tierschutz."

Verkehr hat für das Land Priorität

Auch der Landkreis Wolfenbüttel unterstützt das Anliegen der Krötenschützer. Doch die L629 ist eine Landesstraße, also müsste das Land als Eigentümer die Sperre genehmigen. Doch die Verantwortlichen wiegeln ab. "Warnschilder, Tempo 50 und Schutzzäune - mehr geht nicht", sagt Eike Frenzel, Sprecher im Verkehrsministerium. "Uns geht es darum, dass der Verkehr weiter fließen kann und nicht gestört wird." Die Tierschützer wollen sich von dieser Absage nicht entmutigen lassen und weiterkämpfen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.03.2020 | 16:00 Uhr

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