Blick auf das VW-Verwaltungsgebäude in Wolfsburg. © picture alliance Foto: Sina Schuldt

Volkswagen investiert 20 Milliarden Euro in deutsche Werke

Stand: 13.11.2020 16:40 Uhr

Der Volkswagen-Konzern will trotz Corona-Krise seine Investitionen in den kommenden fünf Jahren stabil halten. Von insgesamt rund 150 Milliarden Euro fließen rund 20 Milliarden in die deutschen Werke.

Das geht aus der Investitionsplanung hervor, die der Aufsichtsrat am Freitag beschlossen hat. Nach Angaben des Betriebsrats fließen allein in das Stammwerk Wolfsburg Sachinvestitionen von mehr als drei Milliarden Euro. Dort sollen neben anderen Modellen ein Nachfolger für den kleinen SUV Tiguan sowie ein neuer Groß-SUV ähnlich dem in China hergestellten Tayron angesiedelt werden. Volkswagen zieht den Angaben zufolge auch sämtliche Varianten des Kernmodells Golf in der Konzernzentrale zusammen.

Hannover wird markenübergreifender Standort

Auf die leichten Nutzfahrzeuge entfallen insgesamt knapp 4,5 Milliarden Euro des Budgets. Das Geld wird aber nicht nur am VWN-Hauptsitz Hannover investiert, sondern auch in die Standorte in Polen und für den Ausbau der Ford-Zusammenarbeit. Eine hohe Summe fließt in die Vorbereitung für den Elektro-Bus ID.Buzz. Zur Fertigung eines neuen, markenübergreifenden Elektro-Oberklassewagens (D-SUV) in drei verschiedenen Varianten werden am Standort Hannover rund 680 Millionen Euro reserviert.

Passat geht nach Bratislava, Aero kommt nach Emden

Das Werk in Emden, das die Passat-Produktion demnächst ins slowakische Bratislava abgeben muss, erhält etwa eine Milliarde Euro. Volkswagen war die Fertigung an der Nordseeküste zu teuer geworden. In dem Werk sind ab Anfang 2022 - ergänzend zu Zwickau - der Bau des kleinen Elektro-SUV ID.4 und ab 2023 des Aero als Elektronachfolger des Passat geplant. Für die sächsischen Standorte in Zwickau, Dresden und Chemnitz sind dem Fünfjahresplan zufolge 1,2 Milliarden Euro vorgesehen, insbesondere um die Kapazitäten für E-Modelle und den einheitlichen Elektrobaukasten (MEB) auszubauen.

Milliardeninvestitionen in Zulieferwerke in Braunschweig und Salzgitter

Die hauseigenen Zulieferwerke werden ebenfalls mit dreistelligen Millionen- und mitunter Milliardenbeträgen bedient: Der Standort Braunschweig, wo unter anderem Batteriesysteme, Achsen und Lenkungen produziert werden, erhält mehr als 870 Millionen Euro. In das Motorenwerk Salzgitter fließen rund 800 Millionen Euro, in die Technologien der dort entstehenden Batteriezellfabrik nach Unternehmensangaben rund eine Milliarde Euro. Das Getriebewerk in Kassel, in dem vor allem um Komponenten für die E-Mobilität sowie Hybridantriebe entstehen, erhält 1,3 Milliarden Euro.

Konzernvorsitzender Diess verdoppelt Budget fürs Digitale

Rund die Hälfte der bis einschließlich 2025 geplanten Investitionen, insgesamt 73 Milliarden Euro, will der Autokonzern in den Ausbau von Elektromobilität, Hybridtechnik und mehr eigene Software ausgeben. Für Elektroantriebe werden demnach mit 35 Milliarden Euro noch einmal zwei Milliarden Euro mehr veranschlagt als bei der vorherigen Planung Ende 2019, für den Bereich Digitales ist der Betrag mit 27 Milliarden ungefähr doppelt so hoch. Konzernchef Herbert Diess hatte schon häufiger betont, dass nach dem Umbruch zu Elektroantrieben insbesondere die Vernetzung und die Steuerung per Software an vorderster Stelle stünden. "In den nächsten Jahren wird es darauf ankommen, auch bei der Software im Fahrzeug eine Spitzenposition einzunehmen", sagte Diess.

Aufsichtsratschef Pötsch sieht Umbau "konsequent umgesetzt"

Bis zum Jahr 2030 will das Unternehmen rund 70 reine Elektromodelle auf den Markt bringen, "etwa 20 davon sind bereits angelaufen". Zudem seien bis Ende des Jahrzehnts insgesamt rund 60 Hybridfahrzeuge geplant, von denen etwas mehr als die Hälfte bereits produziert werde. "Die Transformation des Unternehmens und seiner Marken sowie die strategische Ausrichtung auf die Kernbereiche der Mobilität werden konsequent umgesetzt", sagte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Die finanzielle Ausgangsbasis sei vor dem Hintergrund der großen Herausforderungen in den kommenden Jahren "grundsolide", versicherte er.

Pläne sind für Weil Bekenntnis zu VWs "niedersächsischen Wurzeln"

"Damit sichert VW in Niedersachsen rund 130.000 Arbeitsplätze direkt und viele Tausend weitere Arbeitsplätze bei den niedersächsischen Zulieferern", sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der als Landeschef einen festen Platz im Aufsichtsrat innehat. Die künftige Produktion mehrerer hochwertiger Modelle anderer Marken am Standort Hannover-Stöcken sei "ein besonders wichtiges Beispiel für das klare Bekenntnis des Volkswagen-Konzerns zu seinen niedersächsischen Wurzeln".

Voraussetzung für Investitionen ist "moderates Wachstum"

Der Konzern setzt bei seiner aktuellen Investitionsplanung ein "moderates Wachstums" der Weltwirtschaft und der wichtigsten Märkte voraus, allerdings "mit regionalen Unterschieden". Zudem sollen in der VW-Gruppe noch mehr Prozesse verschlankt und weniger nachgefragte Modelle gestrichen werden, wie es weiter hieß. Die chinesischen Gemeinschaftsunternehmen sind in den Kalkulationen für die Ausgaben noch nicht eingeschlossen.

Osterloh: Wandel gibt es nur gemeinsam - und mit Ladeinfrastruktur

Betriebsratschef Bernd Osterloh begrüßte das Investitionspaket. Es zeige eindrucksvoll, dass es der Konzern ernst meine. "Wir spielen die nächsten Jahre voll auf Angriff", sagte Osterloh. Mindestens genauso wichtig wie das Milliardenbudget sei aber ein gemeinsames Verständnis für den Wandel und ausreichend Planungssicherheit. Dafür brauche es alle: Belegschaft, Führungskräfte, Vorstand und die Politik. "An Letztere denke ich besonders mit Blick nach Berlin und Brüssel und Dauerbrenner-Themen wie Ladeinfrastruktur und schnelles Internet."

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 13.11.2020 | 19:30 Uhr

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