Stand: 26.01.2018 08:45 Uhr

Verliert Goslar den Verkehrsgerichtstag?

In Goslar geht heute der 56. Deutsche Verkehrsgerichtstag zu Ende. Zum Abschluss des Kongresses werden von den Teilnehmern Empfehlungen an den Gesetzgeber ausgesprochen. Die mehr als 1.800 Verkehrsexperten haben in den vergangenen Tagen unter anderem über den Nutzen von höheren Bußgeldern für die Verkehrssicherheit und eine neue Fassung des Unfallflucht-Paragrafen im Strafgesetzbuch beraten.

Havliza stärkt Goslar den Rücken

Weiter offen ist, ob die traditionsreiche Veranstaltung in Zukunft weiterhin in Goslar stattfindet. Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza (CDU) hat sich für einen Verbleib in der Kaiserstadt ausgesprochen. "Der Deutsche Verkehrsgerichtstag hat eine lange Tradition, die von Anfang an untrennbar mit der Stadt Goslar verbunden ist", sagte Havliza in ihrer Rede bei der 56. Auflage der Tagung. Die Bedeutung des Verkehrsgerichtstags "hängt auch mit dem besonderen Flair der Welterbe-Stadt Goslar und der historischen Kaiserpfalz zusammen", sagte sie. Es sei ihr großes Anliegen, dass dieser besondere Charakter des Verkehrsgerichtstages erhalten bleibe. Zuletzt waren Überlegungen der Veranstalter bekannt geworden, die Tagung nach Leipzig zu verlegen.

Nehm: "Interessantes Angebot in Leipzig"

Verkehrsgerichtstags-Präsident Kay Nehm hatte die Überlegungen öffentlich gemacht. Als Gründe nannte er "die wachsende Zahl der Interessenten, schleppende Verbesserungen vor Ort und ein interessantes Angebot in Leipzig". Teilnehmer des VGT würden immer wieder über unzureichende Tagungsräume und fehlende Hotelkapazitäten in Goslar klagen.

Teilnehmerzahl hat sich verzehnfacht

Der Verkehrsgerichtstag in Goslar

Der Deutsche Verkehrsgerichtstag (VGT) kommt jährlich im niedersächsischen Goslar zusammen. Dort diskutieren Juristen, Wissenschaftler, Politiker sowie Spezialisten von Automobilclubs, Ministerien, Behörden, Unternehmen und Verbänden aktuelle Themen rund um den Straßenverkehr. Am Ende des dreitägigen Treffens sprechen sie Empfehlungen für Neuregelungen aus. Immer wieder ist der Gesetzgeber den Vorschlägen gefolgt, unter anderem bei der Einführung des begleiteten Fahrens ab 17 Jahren.

Der Kongress findet seit 1963 in Goslar statt. Die Organisatoren wählten damals die alte Kaiserstadt als Tagungsort, "um den Verlockungen einer Großstadt aus dem Wege zu gehen und den familiären Charakter der Veranstaltung zu betonen", heißt es auf der Homepage des VGT. Zur Premiere kamen etwa 200 Verkehrsexperten aus Ministerien, Verbänden, Behörden und Verkehrsclubs nach Goslar. Dieses Mal sind es zehnmal so viele Teilnehmer, die über aktuelle Fragen des Verkehrs und Verkehrsrechts diskutieren.

Oberbürgermeister glaubt an Verbleib

"Ich würde einen Weggang sehr bedauern", sagte Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk (CDU). Er gibt sich jedoch optimistisch, einen Ortswechsel verhindern zu können und verweist auf bereits fertiggestellte und geplante neue Hotels und Tagungsräume sowie das Engagement seiner Verwaltung für den Kongress. "Wir werden uns mit großen Kongressstädten wie Hamburg oder Leipzig zwar nie messen können", sagt Junk. "Und wir werden auch nicht, nur um den Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar zu halten, ein Kongresszentrum bauen." Die Verantwortlichen des VGT sollten aber berücksichtigen, dass die Marke nicht "Deutscher Verkehrsgerichtstag", sondern "Deutscher Verkehrsgerichtstag Goslar" sei, so Junk.

Gelassenheit in Goslar

Eine Entscheidung über einen möglichen Ortswechsel werde nicht in diesem Jahr, sondern frühestens im Januar 2019 fallen, sagt Nehm. Man werde vorher auch erörtern müssen, "inwieweit die in über 50 Jahren gewachsene Bedeutung des VGT auch auf die besonderen Bedingungen des Tagungsortes Goslar zurückzuführen ist". Sollte die Entscheidung gegen Goslars ausfallen, wäre das schade, sagte die Sprecherin des Harzer Tourismusverbandes, Christin Wohlgemuth. Größere Auswirkungen für die touristische Vermarktung und die Wahrnehmung der Region erwarte sie allerdings nicht. Auch Bürgermeister Junk gibt sich betont gelassen. Falls der VGT-Vorstand entscheiden sollte, woanders hinzugehen, "dann sollen sie es ein Jahr machen", sagte. "Ein Jahr später sind sie dann wieder hier."

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 24.01.2018 | 14:00 Uhr

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