Der Verdächtige im Vermisstenfall "Maddie" McCann.

Verdächtiger im Fall "Maddie": Christian B. bleibt in Haft

Stand: 19.11.2020 12:24 Uhr

B. sei mehrfach vorbestraft und ein "Bewährungsversager" - aus diesen Gründen hat das Landgericht Braunschweig einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung des Verdächtigen im Fall "Maddie" abgelehnt.

"Unter Berücksichtigung des Sicherheitsinteresses der Allgemeinheit" sei es nicht zu verantworten, B.s Reststtrafe zur Bewährung auszusetzen. Während seiner letzten Bewährungszeit sei der 43-Jährige mehrfach straffällig geworden, argumentierte das Gericht. Zudem sei bei einem erneuten Rückfall mit "schweren Straftaten" zu rechnen. B. ist zurzeit wegen eines Drogendelikts in Kiel inhaftiert. Zwei Drittel der Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten hat er inzwischen abgesessen. Mit der Ablehnung des Antrags folgte die Strafvollstreckungskammer nach eigenen Angaben den Einschätzungen der Staatsanwaltschaft und der Leitung der Haftanstalt, in der B. einsitzt. Gegen die Entscheidung des Landgerichts kann sein Anwalt beim Oberlandesgericht Beschwerde einlegen.

Anhörungstermin eskaliert: B. wird verletzt

Bei der Anhörung zur vorzeitigen Haftentlassung war es in dem Braunschweiger Gericht zu einem Zwischenfallgekommen. Beim Anlegen von Fußfesseln habe sich B. Verletzungen an den Rippen zugezogen. Das teile das Landgericht Braunschweig mit. Nach Schilderung der Behörde wurde der Angeklagte daraufhin "kurzfristig im Krankenhaus behandelt", danach habe die Anhörung fortgesetzt werden können. Wie es zu dem Zwischenfall kam werde nun ermittelt.

Haftentlassung war nicht zu erwarten

Auch wenn die Kammer dem Antrag stattgegeben hätte, wäre B. wohl nicht frei gekommen. In diesem Fall hätte nach Einschätzung einer Gerichtssprecherin eine Untersuchungshaft in einem Vergewaltigungsfall gegriffen. B. soll im Jahr 2005 - rund eineinhalb Jahre vor dem Verschwinden von "Maddie" - im portugiesischen Praia da Luz eine 72-Jährige vergewaltigt haben. Dafür war er im Dezember 2019 zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Gegen diese Entscheidung hat der 43-Jährige Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. Das reguläre Ende von B.s derzeitiger Haftstrafe ist am 7. Januar 2021.

Unter Mordverdacht im Fall "Maddie"

Anfang Juni hatten das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Braunschweig gemeinsam mitgeteilt, dass sie im Fall der vermissten "Maddie" gegen den mehrfach vorbestraften B. wegen Mordverdachts ermitteln. Das Mädchen war vor mehr als 13 Jahren kurz vor ihrem vierten Geburtstag in einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz verschwunden - der Fall sorgt bis heute weltweit für Aufsehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 19.11.2020 | 13:30 Uhr

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