Stand: 19.10.2018 21:35 Uhr

VW startet Prämien-Programm für alte Diesel

Wer seinen alten Diesel verschrotten lässt oder wer ihn gegen ein modernes Euro-6-Modell tauscht - für den will VW Prämien zahlen.

Wird die Luft in vielen Städten nicht bald sauberer, könnten die Tage älterer Dieselautos auf den Straßen gezählt sein. Der VW-Konzern will Autofahrern deshalb den Umstieg auf neuere, sauberere Diesel erleichtern und hat dazu am Donnerstag ein konkretes Programm gestartet. So bietet Volkswagen ab sofort erneut eine sogenannte Umweltprämie an, wenn Fahrzeughalter ihre alten Diesel mit den Abgasnormen 1 bis 4 - gleich welchen Herstellers - verschrotten lassen und auf einen VW umsteigen. Modellabhängig gibt es bis zu 8.000 Euro.

Geld beim Kauf neuer Dieselautos

In den 14 Städten mit besonders schlechter Luft und den angrenzenden Landkreisen bietet VW "Wechselprämien" an - darunter sind im Norden Hamburg und Kiel. Dabei soll es zusätzlich zum Verkaufswert bis zu 7.000 Euro geben, wenn Autofahrer ihre Euro-4- oder Euro-5-Diesel eines beliebigen Herstellers in Zahlung geben. Das Geld zahlt VW, wenn dafür ein VW-Neuwagen gekauft wird. Fahrzeughalter in den betreffenden Gebieten sollen in Kürze ein entsprechendes Schreiben des Kraftfahrtbundesamtes erhalten, das sie berechtigt, die Prämie in Anspruch zu nehmen und mit dem sie dann zu teilnehmenden Autohändlern gehen können. Sowohl "Umwelt-" als auch "Wechselprämie" gelten auch beim Kauf von Jahreswagen - dann allerdings gibt es abhängig vom Modell nur 75 oder 50 Prozent der vollen Summe.

Audi und Seat ziehen nach

Auch Audi und Seat haben inzwischen ihre Prämien-Programme vorgestellt. Sie lehnen sich an das VW-Angebot an: Bei Seat sind die Konditionen die gleichen wie bei Volkswagen. Audi legt in Sachen Prämien-Höhe noch eine kleine Schippe drauf: Wer hier einen alten Euro-1- bis Euro-4-Diesel zum Verschrotten abgibt und auf einen neuen Audi wechselt, bekommt modellabhängig bis zu 10.000 Euro. Für den Verkauf eines Euro-4 oder Euro-5-Diesel und den Umstieg auf ein aktuelles Modell aus Ingolstadt gibt es bis zu 9.000 Euro - letzteres Angebot begrenzt auch Audi allerdings auf die Fahrzeughalter aus den 14 besonders mit Stickstoff belasteten Kommunen.

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Aktuelle NO2-Grenzwertüberschreitungen

Eine Liste des Umweltbundesamtes zeigt die Städte, die 2017 den Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel überschritten haben. Download (87 KB)

Nachrüstungen vom Tisch?

Zuvor hatten sich die Spitzen der Großen Koalition in Berlin in zähen Verhandlungen auf einen Kompromiss im Umgang mit Dieselfahrzeugen geeinigt. Darunter war neben Angeboten beim Kauf saubererer Wagen auch von Hardware-Nachrüstungen die Rede. In dem Umtauschprogramm von VW steht davon allerdings nichts. Ein VW-Sprecher hatte dazu zuvor gesagt: "Wir halten die Nachrüst-Lösungen technisch, wirtschaftlich und praktisch für nicht geeignet." In der Berliner Kompromisslösung wurden auch die belasteten 14 Städte und angrenzenden Landkreise festgelegt, in denen nun die "Wechselprämie" angeboten wird. Die jährlichen Stickstoff-Grenzwerte wurden zuletzt allerdings in deutlich mehr Städten überschritten: in 65.

Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe in einem Interview. © NDR

"Mir scheint, VW baut nur noch Einwegautos"

Jürgen Resch von der DUH hält den Vorschlag von VW für "dreist". Er fordert kostenlose Nachrüstung oder Rückerstattung des Kaufpreises für betroffene Dieselfahrzeuge.

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Umwelthilfe: Nachrüsten statt verschrotten

Der Verbraucherverband Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert das Prämien-Programm von VW harsch - insbesondere die sogenannte Umweltprämie: "Ein intaktes Auto verschrotte ich doch nicht", sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch dem NDR Fernsehmagazin Hallo Niedersachsen. Unverständlich sei auch, dass sogar Euro-5-Diesel, die bis vor drei Jahren als Neufahrzeuge verkauft worden seien, jetzt eingetauscht werden sollen. Resch: "Es ist so, als würde VW nur noch Einweg-Autos produzieren." Er fordert stattdessen ein Nachrüsten der Dieselautos: "Das dauert zwei bis vier Stunden, dann sind die Autos sauber," so der DUH-Geschäftsführer. Die Bundesregierung müsse sich hier stärker gegen die Industrie durchsetzen. Die neuen Prämien seien jedoch ein alleiniges Konjunktur-Programm für die Automobil-Branche.

VW: "Umweltprämie" gegen schlecht Luft

Nach Aussage von Volkswagen wurden im Zuge der ersten "Umweltprämie" von August 2017 bis Juni 2018 über 210.000 alte Dieselfahrzeuge von den Straßen geholt, verschrottet und durch neuere, sauberere Modelle ersetzt. Insgesamt hätten allein im vergangenen Jahr 1,1 Millionen neue Euro-6-Diesel alte Fahrzeuge ersetzt. Der Konzern bewertet die Zahlen als Erfolg für die Umwelt: Laut VW würde die Erneuerung der Fahrzeug-Flotte zusammen mit den Software-Updates für Diesel jährlich mehr als 10.000 Tonnen Stickstoffdioxid-Emissionen vermeiden. Auch die neuen Prämien sollen laut VW-Vertriebsleiter Christian Dahlheim einen "signifikanten Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität in deutschen Städten" leisten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.10.2018 | 07:30 Uhr

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