Stand: 16.03.2017 15:23 Uhr  | Archiv

VW kritisiert Durchsuchung der Kanzlei Jones Day

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Rund 100 Ermittler haben an Audi-Standorten wie Ingolstadt und am VW-Konzernsitz in Wolfsburg Daten und Unterlagen sichergestellt.

Bei der groß angelegten Razzia am Mittwoch haben Ermittler nicht nur Räume in mehreren Audi-Standorten wie Ingolstadt und in der VW-Konzernzentrale in Wolfsburg durchsucht. Die Beamten sicherten auch Daten und Unterlagen bei der von Volkswagen beauftragten US-Rechtsanwaltskanzlei Jones Day. Der Konzern reagierte darauf ungewohnt scharf: "Wir halten das Vorgehen der Staatsanwaltschaft München in jeder Hinsicht für inakzeptabel", teilte VW am Donnerstag mit. Die Durchsuchung verstoße gegen die in der Strafprozessordnung festgeschriebenen rechtstaatlichen Grundsätze. "Wir werden mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln hiergegen vorgehen." Bei Jones Day war zunächst niemand erreichbar.

Das Logo der Firma Audi auf einer Säule

Abgas-Manipulation: Durchsuchungen bei Audi

Niedersachsen 18.00 -

Am Mittwoch sind mehrere Audi-Standorte durchsucht worden. Die Staatsanwaltschaft untersucht einen möglichen Zusammenhang zur Manipulation von Abgaswerten bei Volkswagen.

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Durchsuchung mit rund 100 Ermittlern

Am Mittwoch hatten während der Jahrespressekonferenz von Audi mehr als 100 Polizisten und Staatsanwälte die Zentrale der VW-Tochter sowie weitere Standorte und Wohnungen von Mitarbeitern durchsucht. Die Staatsanwaltschaft wollte am Donnerstag keine genaueren Angaben zu den durchsuchten Örtlichkeiten machen, da der Einsatz noch nicht abgeschlossen sei. Die Behörde ermittelt bei Audi wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung. Ziel sei es zu klären, wer genau bei dem Ingolstädter Autobauer in den Abgas-Skandal verwickelt gewesen sei.

US-Kanzlei sollte Diesel-Skandal aufklären

Jones Day hatte nach Bekanntwerden der Diesel-Manipulationen von VW den Auftrag bekommen, den Skandal intern und unabhängig aufzuarbeiten und einen Abschlussbericht vorzulegen. Die Juristen werteten daraufhin Millionen Dokumente aus und sprachen mit Konzernmitarbeitern. Ende Januar teilte Volkswagen mit, dass die Kanzlei doch keinen Bericht veröffentlichen werde. Die Begründung: Im kurz zuvor geschlossenen Vergleich mit den US-Behörden hätten diese die Vorwürfe festgehalten. Ein eigener Bericht von Jones Day erübrige sich damit.

Gesammelte Daten enthalten viele Interna

Die Staatsanwaltschaft zeigt dagegen ganz klar Interesse an den Daten, die die Kanzlei in eineinhalb Jahren zusammengetragen hat. Die von Jones Day gesammelten Dokumente enthalten zwei Insidern zufolge sehr viele Interna, auch zu Technologien und Produkten, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Deshalb habe sich VW entschlossen, den Bericht nicht und schon gar nicht in voller Länge zu veröffentlichen.

Unterlagen von Jones Day sind allenfalls Quelle

Nach deutschem Recht sind die von der Kanzlei geschriebenen Protokolle nicht offiziell verwertbar. Strafverfolger müssen Originalurkunden vorlegen und selbst mit möglichen Zeugen sprechen. Die Jones-Day-Papiere wären damit "eine interessante Quelle für den Abgleich unserer eigenen Erkenntnisse. Aber mehr auch nicht. Sie wären nicht die Quelle unserer Erkenntnis", sagte eine mit den Ermittlungen vertraute Person zu Reuters.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.03.2017 | 16:00 Uhr

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