Auspuffrohre eines Volkswagen, sind vor dem Markenhochhaus am VW Werk zu sehen. © picture alliance/dpa Foto: Julian Stratenschulte

VW-Skandal: Gericht gibt erste Einschätzung zur Sache ab

Stand: 18.11.2021 15:01 Uhr

Der sogenannte Hinweisbeschluss der Richter am Oberlandesgericht Braunschweig ist ziemlich deutlich: Volkswagen hätte demnach viel früher über die manipulierten Motoren informieren müssen.

Die Richter gehen davon aus, dass der Einbau unzulässiger Abschalteinrichtungen in Fahrzeugen für den US-Markt bereits 2008 eine Insider-Information war, über die der Autokonzern schon damals den Kapitalmarkt per Ad-hoc-Mitteilung hätte informieren müssen. Bislang argumentierte Volkswagen in dem Prozess über milliardenhohe Schadensersatzforderungen, dass die Abgasmanipulation erst mit dem Bescheid der US-Behörden am 18. September 2015 börsenrelevant geworden sei. Daraufhin informierte VW damals per Ad-hoc-Mitteilung den Kapitalmarkt. VW bekräftigte nun erneut, seine Veröffentlichungspflicht erfüllt zu haben. "Alle behaupteten Schadensersatzansprüche sind deshalb unbegründet", teilte der Konzern mit.

Volkswagen kann Stellung nehmen

Ob sich aus dem Unterlassen dieser Nachricht Schadenersatzansprüche für Anleger ergebenen, hängt laut Gericht vor allem davon ab, ob ein Vorstandsmitglied Kenntnis von der Manipulation hatte. Denn nur dann könne sie der Volkswagen AG zugerechnet werden. Die Beteiligten bekommen Gelegenheit, Stellung zu nehmen. Deshalb sind alle angesetzten Termine bis einschließlich Februar aufgehoben.

Prozess dauert bereits drei Jahre

In dem Prozess nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) wird seit mehr als drei Jahren verhandelt. Im Zentrum steht die Frage, ob VW die Märkte rechtzeitig über den Skandal um Millionen von manipulierten Dieselmotoren informierte. Ein Ende ist nicht in Sicht. Der VW durch die Diesel-Affäre entstandene finanzielle Schaden liegt inzwischen bei mehr als 32 Milliarden Euro.

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Dieses Thema im Programm:

Regional Braunschweig | 18.11.2021 | 16:00 Uhr

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