Stand: 16.04.2019 21:15 Uhr

VW-Manager: Schaden von 78 Milliarden verursacht?

von Peter Hornung und Stephan Wels

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wirft einigen der jetzt angeklagten VW-Managern vor, im Zuge der Diesel-Affäre Schäden in Milliardenhöhe verursacht zu haben. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) wird zwei Managern etwa zur Last gelegt, einen Gesamtschaden von knapp 78 Milliarden Euro verursacht zu haben. Sie seien von Beginn an in den Betrug verstrickt gewesen und während ihrer Tätigkeit in dem Projekt seien rund neun Millionen Autos mit der Betrugssoftware verkauft worden.

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Winterkorn: "Nur" 6.500 manipulierte Autos?

Die Rechnung, die die Ermittler aufmachen, geht dann so: Die manipulierten Autos in Europa hätten nur noch 60 Prozent ihres eigentlichen Werts besessen, in den USA gar keinen Wert mehr. So kämen 78 Milliarden Euro zusammen. Allen Angeklagten wird dann eine bestimmte Zahl an Autos zugeordnet - je nachdem wie lange sie mit der Betrugssoftware zu tun hatten. Das ergibt bei vier angeklagten Managern stattliche Milliardensummen. Einigermaßen glimpflich kommt in diesem Fall nur Martin Winterkorn davon: Ihm werden lediglich 6.500 manipulierte Autos zur Last gelegt, da er erst im Mai 2014 von der Manipulation erfahren habe.

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Unklar, wie Wertverlust errechnet werden soll

Wie valide die Rechnung der Ermittler tatsächlich ist, erscheint zumindest diskussionswürdig. So bleibt noch unklar, wie der Wertverlust von 40 Prozent pro Auto sich tatsächlich errechnen soll. In früheren Auflistungen gingen Ermittler sogar noch von einer Art Totalschaden von fast 170 Milliarden Euro aus. VW hat eine solche Sichtweise auf potenzielle Schäden immer vehement bestritten. Die fraglichen Fahrzeuge hätten ein Update erhalten und würden bis heute gefahren. Es gebe angesichts der politischen Diskussion um Fahrverbote für Diesel zwar allgemein eine Unsicherheit über die Entwicklung der Restwerte von Dieselfahrzeugen, aber diese Problematik betreffe ja alle Hersteller und nicht allein VW.

Einfluss auch auf Zivilverfahren?

Ob die grobe Rechnung der Staatsanwälte Einfluss auf die vielen Zivilverfahren erboster Kunden haben wird, erscheint im Moment noch völlig offen. Sicher aber ist, dass die Schadenshöhe Eingang in ein mögliches Strafmaß finden wird. Auf Anfrage teilte VW am Dienstag erneut mit, dass es keine Rechtsgrundlage für Klagen von Autobesitzern gebe. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig lehnte jegliche Stellungnahme ab.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.04.2019 | 18:00 Uhr

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