Einer der vier Angeklagten sitzt bei Prozessbeginn in der Stadthalle Braunschweig. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

VW-Dieselprozess: Schlappe für Verteidiger von VW-Managern

Stand: 23.09.2021 17:49 Uhr

Der VW-Dieselprozess vor dem Braunschweiger Landgericht wird fortgesetzt. Das Gericht hat am Donnerstag Anträge der Verteidigung zur Aussetzung des Verfahrens abgelehnt.

Die Anwälte der angeklagten früheren VW-Manager hatten dies beantragt, weil die Staatsanwaltschaft aus ihrer Sicht noch nicht zu Ende ermittelt habe. Offene Fragen würden unzulässigerweise in die Hauptverhandlung verlagert, bemängelten sie. Eine effektive Verteidigung sei daher nicht möglich.

Gericht sieht keinen Anlass für Unterbrechung des Prozesses

Der Vorsitzende Richter wies diese Vorwürfe zurück. Es sei hinreichend ermittelt worden, der Tatverdacht stehe, lediglich das Ausmaß der Taten sei offen. Die vier angeklagten Manager seien keinesfalls bloße Objekte des Gerichtsverfahrens, betonte der Richter. Es gebe daher keine Gründe, den Prozess zu unterbrechen oder abzubrechen. Der Grundsatz einer effektiven Verteidigung sei mit der Verfahrensweise nicht verletzt.

Angeklagter bestreitet Hauptverantwortung

Unterdessen hat ein weiterer Angeklagter die Vorwürfe zurückgewiesen. Ingenieure von Volkswagen hätten nicht über Nacht beschlossen, Kunden zu betrügen, sagte er. Es sei nicht seine Entscheidung gewesen, dass es eine illegale Software gibt. Aber es sei gewünscht gewesen, dass diese Software funktioniere, so der Experte für Antriebe. "Ich bin tief bestürzt und hätte es mir nie vorstellen können, als Angeklagter vor Gericht zu landen." Wenn er die Entwicklung und das spätere Ausmaß erkannt hätte, wäre seine Gegenwehr sicher stärker gewesen, erklärte er. Aus seiner Sicht sei die Funktion zwar "anrüchig" gewesen - dass sie aber irgendwann strafrechtliche Konsequenzen habe würde, sei für ihn völlig unklar gewesen.

Beschwerde gegen Fehlen von Winterkorn

In dem Betrugsprozess zur VW-Dieselaffäre sind vier Ex-Manager und -Ingenieure des Konzerns angeklagt. Ihnen wird unter anderem gewerbs- und bandenmäßiger Betrug mit manipulierter Software in Millionen Autos vorgeworfen. Seit Prozessbeginn wird zudem das Fehlen des zunächst mitangeklagten Ex-Konzernchefs Martin Winterkorn kritisiert. Über eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Abtrennung seines Verfahrens wegen gesundheitlicher Probleme ist noch nicht entschieden worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 23.09.2021 | 15:00 Uhr

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