Das VW-Logo auf dem Dach des Markenhochhauses Volkswagen in Wolfsburg. © picture alliance/Fotostand/Matthey Foto: Matthey

VW-Aktionärstreffen - zwischen Aufbruch und Aufarbeitung

Stand: 22.07.2021 19:44 Uhr

Der Volkswagen-Aufsichtsrat hat sich für den Deal mit Ex-Konzernchef Winterkorn gerechtfertigt. Auf dem Aktionärstreffen hieß es, die vereinbarten elf Millionen Euro Schadenersatz seien angemessen.

Der durch die Diesel-Affäre entstandene Gesamtschaden von mehr als 32 Milliarden Euro sei zwar deutlich höher, räumte der Aufsichtsrat in der digitalen Hauptversammlung am Donnerstag ein. Dieser Schaden sei aber nur zu einem vergleichsweise geringen Teil dem früheren Vorstandschef Martin Winterkorn und anderen Managern, mit denen man sich geeinigt hatte, zuzurechnen.

Winterkorn soll 11,2 Millionen Euro zahlen

Aktionärsvertreter hatten vor Beginn der Hauptversammlung bemängelt, dass die Summe geringer ist als ein damaliges Jahresgehalt von Winterkorn. Der Experte für gute Unternehmensführung der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS, Hendrik Schmidt, sagte, man werde die Haftungsvergleiche "ausdrücklich nicht unterstützen. In beiden Fällen verzichten die Herren Winterkorn und Stadler auf Vergütungszusagen für Zeiten nach ihrem jeweiligen Ausscheiden aus dem VW-Konzern. Es wird also de facto auf etwas verzichtet, was nicht verdient wurde". VW hatte im Juni mit Anwälten und Versicherern vereinbart, dass etwa Winterkorn 11,2 Millionen Euro zahlt. Das Gros der Summe über 288 Millionen Euro wird durch spezialisierte Haftpflichtversicherungen beglichen.

Gegenwind bei Vorstandsvergütung und Klimaschutz

Auch das geplante neue Vergütungssystem für die Vorstände sieht die DWS kritisch. Es sehe den Einschluss von Umwelt- und Sozialzielen vor. Das Frankfurter Unternehmen stört sich daran, dass diese Kriterien primär im Jahresbonus berücksichtigt werden sollen - während ein weiterer, auf mehrere zurückliegende Geschäftsjahre ausgerichteter Bonus größtenteils unverändert bleibe. Gegenwind gab es auch beim Thema Klimaschutz: VW will bis spätestens 2050 bilanziell CO2-neutral wirtschaften, der Konzern schärfte einige Ziele auf dem Weg dorthin nach. Die Umweltorganisation BUND lobt den schrittweisen Ausstieg aus dem Verbrenner, moniert aber, dass die Wolfsburger an diesem gleichzeitig noch Jahre festhalten. Es würden nach wie vor "zu viele zu große, zu schwere und übermotorisierte Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor verkauft".

Fondgesellschaft bemängelt Besetzung des Aufsichtsrates

Auch die Fondsgesellschaft Union Investment ist unzufrieden mit der Transparenz des Wolfsburger Autobauers. VW habe aus der Dieselaffäre nicht genug gelernt. Beim Aufsichtsrat bemängelt das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt aufgrund der Zusammensetzung fehlende Unabhängigkeit auf der Aktionärsvertreterseite. Deshalb will die Investmentgesellschaft den Aufsichtsrat in der heutigen Sitzung nicht entlasten.

Diess' Strategie 2030 kommt bei Analysten gut an

Rückenwind bekam Volkswagen - und allen voran Vorstandschef Herbert Diess - bei der Unternehmensstrategie bis 2030. Analysten und Autoexperten bewerten den Fokus auf Elektromobilität, digitale Neuheiten und autonomes Fahren positiv.

Drei Aktionäre halten Großteil der Stammaktien

53 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien am Konzern halten die Eignerfamilien Porsche und Piëch über die Beteiligungsgesellschaft Porsche SE. Weitere 20 Prozent liegen beim Land Niedersachsen, 17 Prozent bei einem Staatsfonds aus Katar. Die im Dax notierten Vorzüge haben kein Stimmrecht. Die stimmberechtigten Stammaktionäre stimmten am Ende sämtlichen Punkten und Personalien auf der Tagesordnung zu.

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Aktuell | 22.07.2021 | 14:00 Uhr

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