Stand: 10.09.2018 09:25 Uhr

VW-Abgas-Skandal: Wer ermittelt gegen wen?

Im Jahr 2015 ist der Abgas-Skandal bei Volkswagen bekannt geworden. Seitdem ermitteln zahlreiche Behörden in Deutschland und anderswo gegen den VW-Konzern. Die Ermittlungen in Deutschland gipfeln in einem Musterverfahren, das seit dem 10. September vor dem Oberlandesgericht Braunschweig läuft. Doch das ist nur eine der Ermittlungen. Wer ermittelt also gegen wen? Eine Übersicht.

Staatsanwaltschaft Braunschweig: Vier Strafverfahren

In Braunschweig laufen die umfangreichsten Ermittlungen in Deutschland. Der Grund: Die dortige Staatsanwaltschaft ist für den VW-Stammsitz in Wolfsburg zuständig. Insgesamt laufen vier Strafverfahren gegen aktuelle und ehemalige Manager. Im größten der Verfahren sind 39 Menschen beschuldigt. Der Vorwurf: Manipulation von Stickoxidwerten in Dieselabgasen. Auch der Ex-Konzernchef Martin Winterkorn steht unter Betrugsverdacht. Weitere Vorwürfe in den anderen Verfahren sind Verdacht der Schönung von Kohlendioxidwerten, der Datenlöschung und der Marktmanipulation. Die Vorwürfe der Marktmanipulation richten sich gegen Winterkorn, den heutigen Konzernchef Herbert Diess und den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch. Ein Bußgeldverfahren gegen VW ist bereits beendet. Der Autobauer musste eine Milliarde Euro Strafe zahlen.

Staatsanwaltschaft München: Audi im Visier

Auch die VW-Konzerntochter Audi soll Abgaswerte manipuliert haben. Gegen sie ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen Betrugs und strafbarer Werbung. Der beurlaubte Audi-Chef Rupert Stadler sitzt in Untersuchungshaft. Auch ein Bußgeldverfahren gegen Audi läuft.

Staatsanwaltschaft Stuttgart: Ermittlungen gegen Porsche

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Porsche ins Visier genommen. Hier wird gegen drei Beschuldigte wegen Betrugs ermittelt. Unter ihnen ist der Entwicklungsvorstand Michael Steiner. Ein weiterer Beschuldigter saß vorübergehend in U-Haft. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Bosch-Mitarbeiter wegen Beihilfe zum Betrug. Der Autozulieferer hatte die Motorsteuerung für VW-Motoren geliefert. Wegen Marktmanipulation ermittelt die Behörde zudem gegen Winterkorn, Pötsch und Ex-VW-Chef Matthias Müller.

US-Staatsanwaltschaft: Neun Anklagen

In den USA sind bereits zwei Beschuldigte verurteilt worden. Der Ex-Chef des Umwelt- und Ingenieurbüros von VW in den USA, Oliver Schmidt, musste wegen Verschwörung zum Betrug sieben Jahre in Haft. Ein anderer VW-Ingenieur bekam eine Strafe von drei Jahren und vier Monate. Angeklagt ist außerdem Ex-VW-Chef Winterkorn sowie fünf weitere ehemalige Volkswagen-Manager.

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Der Auspuff eines VW-Passats ist am 25.09.2015 vor dem Volkswagenwerk in Wolfsburg zu sehen. © dpa - Bildfunk

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Der Abgas-Skandal hat VW in die schwerste Krise der Firmengeschichte gestürzt. Der finanzielle Schaden geht in die Milliarden. Und nach Winterkorn und Müller ist nun Diess VW-Chef. (07.08.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.09.2018 | 09:00 Uhr

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