Stand: 03.03.2017 17:25 Uhr

Urteil: Sterbehilfe in Extremfällen erlaubt

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat am Donnerstag mit einem Urteil eine Tür für sterbewillige Patienten geöffnet. Demnach könnten schwerkranke Menschen in Deutschland in Extremfällen einen Zugang zu einer tödlichen Dosis Betäubungsmittel für einen Suizid bekommen. Die Leipziger Richter kamen zu dem Schluss, dass Schwerkranke in Ausnahmefällen gemäß des Grundgesetzes das Recht hätten, zu entscheiden, wie und wann sie aus dem Leben scheiden wollen. Grundsätzlich bleibe der Kauf von tödlichen Mitteln aber verboten.

Urteil liegt Fall aus Braunschweig zugrunde

Zugrunde lag dem Urteil der Fall einer Frau aus Braunschweig, die nach einem Unfall im Jahr 2002 querschnittsgelähmt war, starke Schmerzen hatte und künstlich beatmet werden musste. Sie wollte ihrem als unwürdig empfundenen Leben ein Ende setzen und beantragte beim Bundesinstitut für Arzneimittel wiederholt ein tödliches Medikament - doch die Behörden gestatteten ihr den Erwerb der tödlichen Dosis nicht. Die Frau nahm sich schließlich 2005 in der Schweiz mit Unterstützung eines Sterbehilfevereins das Leben.

Witwer klagte sich 13 Jahre lang durch alle Instanzen

Das Urteil aus Leipzig sorgt bei ihrem Mann, Ulrich Koch, für große Erleichterung. 13 Jahre lang klagte sich der Braunschweiger durch alle Instanzen. Der 74-jährige hatte seiner Frau noch in der Schweiz versprochen, für das Sterberecht zu kämpfen. "Es ist nicht die Aufgabe des Staates zu bestimmen, wann und wie lange wir am Leben bleiben sollen", sagte er. Es sei eine große Belastung für ihn gewesen, das Leiden seiner Partnerin miterleben zu müssen.

Kontroverse Reaktionen auf das Urteil

Die Reaktionen zu dem Urteil aus Leipzig fallen gemischt aus. Carola Reimann, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Braunschweig etwa, begrüßte das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. "Dieses Urteil hat klargestellt, dass sich kein Politiker, keine Kirche und keine medizinische Disziplin das Recht herausnehmen darf, zu definieren, was würdevolles Sterben ist", sagt sie. Die katholischen Bischöfe, die Bundesärztekammer und medizinische Verbände hingegen kritisierten die Entscheidung des Gerichts. Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident Bundesärztekammer, befürchtet gar, dass das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zur "Ausgabestelle für Tötungsmittel" degradiert werde.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.03.2017 | 16:00 Uhr

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