Stand: 27.11.2019 15:24 Uhr

Untreue: Ex-Rektor zu Bewährungsstrafe verurteilt

Der ehemaliger Schulleiter sitzt im Gerichtssaal, daneben die Anwälte Andreas Zott und Gabriele Zott und auf der anderen Seite die Ehefrau des Angeklagten. © dpa Bildfunk Foto: Sina Schuldt
Der ehemalige Schulleiter (li.) wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, seine Ehefrau (re.) freigesprochen.


Ein früherer Schulleiter aus Salzgitter ist am Mittwoch wegen Untreue zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Der 53-Jährige hatte in dem Prozess am Landgericht Braunschweig gestanden, dass er seine Spielsucht mit Geld von Schulkonten beglichen hatte. Seine wegen Beihilfe mitangeklagte Frau wurde freigesprochen. Auf ihr Konto hatte der Angeklagte einen Großteil des Geldes umgeleitet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte er in den Jahren von 2013 bis 2016 mehr als 182.000 Euro veruntreut.

Misere beginnt mit einem Online-Gutschein

"Gespielt, gewonnen und dann nahm das Unheil seinen Lauf", mit diesen Worten fasste die Anwältin der Ehefrau die Geschichte des 53-Jährigen in einem Satz zusammen. Der Angeklagte war 2006 Schulleiter einer Hauptschule in Salzgitter geworden. Eigenen Angaben zufolge fand er drei Jahre später einen Gutschein zum Online-Spielen im Briefkasten. Er habe gespielt und 1.000 Euro gewonnen. Doch bei dem einen Gewinn sollte es nicht bleiben. Der Rektor wurde spielsüchtig und verlor an manchen Tagen eigenen Angaben zufolge bis zu 20.000 Euro. Am Ende hätten sich die Spielschulden auf 300.000 Euro belaufen.

Er spielte die ganze Nacht hindurch

Er spielte vor allem dann, wenn seine Frau schlief oder einkaufte - und das teilweise die ganze Nacht hindurch bis er am Morgen wieder in die Schule musste. "Zum Schluss hatte ich neun Kreditkarten und unser Haus mit 130.000 Euro belastet", sagte er im Prozess. Vor Gericht schilderte er, wie er sich ein Doppelleben aufbaute, um seine Sucht zu verdecken. Ohne dass jemand etwas bemerkt habe, habe er in seinen Rollen als Schulleiter, Ehemann und Vater funktioniert, sagte der Angeklagte.

Keine ordentliche Kassenprüfung an der Schule

2016 flog er auf und die Landesschulbehörde suspendierte ihn vom Dienst. Daraufhin begab er sich, unterstützt von seiner Familie, in eine Therapie. Das Gericht zeigte sich überzeugt davon, dass er diese erfolgreich abschloss. Einen Großteil des Geldes hat der Lehrer bereits zurückgezahlt. Der Rest soll noch eingezogen werden. Der Richter machte in seinem Urteil deutlich, dass die Taten mangels eines Kontrollsystems an der Schule nicht schnell beendet werden konnten. So habe es keine ordentliche Kassenprüfung gegeben und der Schulleiter selbst sei der Kontrolleur gewesen. Mit dem Urteil, gegen das er noch Revision einlegen kann, droht dem 53-Jährigen der Verlust seines Beamtenstatus. Bei der Landesschulbehörde muss er sich in einem Disziplinarverfahren verantworten.

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Ein Mann in grauem Pullover sieht sich eine Jacke aus (ehemaliger Schulleiter), daneben steht sein Anwalt Andreas Zott im Gericht Braunschweig. © dpa Bildfunk Foto: Sina Schuldt

Ex-Rektor begleicht Spielschulden von Schulkonten

Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Braunschweig hat ein ehemaliger Schulleiter gestanden, Schulkonten geplündert zu haben. Als Grund verwies der 53-Jährige auf Spielschulden. (29.10.2019) mehr

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 27.11.2019 | 13:30 Uhr

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