Trump vs. Biden - Die US-Wahlkämpfer in Niedersachsen

Stand: 01.11.2020 14:22 Uhr

Sie leben in Niedersachsen, doch ihre Gedanken kreisen um die Präsidentschaftswahl in den USA. Trump oder Biden, Republikaner oder Demokrat? Auch hierzulande polarisiert die Wahl stark.

von Marco Schulze

Kenton Barnes ist Vizepräsident der "Democrats Abroad", Benjamin Wolfmeier Sprecher der "Republicans Overseas". Beide engagieren sich in der jeweiligen Auslandsorganisation der amerikanischen Parteien. Über die bisherige Amtszeit von Donald Trump gehen ihre Beurteilungen weit auseinander. "Das ist eine Katastrophe", sagt Kenton Barnes. Es brauche unbedingt einen neuen Präsidenten, um das Land zu heilen. Benjamin Wolfmeier hingegen sieht in Trump den besten Präsidenten Amerikas seit John F. Kennedy.

"Trump spricht die Sprache der Straße"

Benjamin Wolfmeier, Sprecher der "Republicans Overseas Germany" © NDR
Trump sei der beste Präsident seit Kennedy, sagt Benjamin Wolfmeier.

"Es gab keinen Präsidenten, der in so kurzer Zeit so viel erreicht hat", sagt Wolfmeier. Der Trump-Anhänger aus Hannover ist schon lange politisch aktiv - anfangs noch für die Demokraten. Seine Unterstützung für die Republikaner begann, nachdem Barack Obama Präsident wurde. Mit ihm sei die Partei zu sehr nach links gerückt, findet Wolfmeier. Bei Trump war er zuerst skeptisch, doch mittlerweile hat sich das gelegt. Mit breiter Brust unterstützt er den US-Präsidenten, trägt in der Öffentlichkeit Trump-Mütze und -Button. Die undiplomatische Art von Trump stört ihn nicht, ganz im Gegenteil: "Trump spricht die Sprache der Straße, er ist halt kein intellektueller Präsident, wie das beispielsweise Obama war. Aber er erreicht damit die Menschen."

"Mehr Rassismus, Diskriminierung und Polizeigewalt"

Kenton Barnes von den "Democrats Abroad" spricht vor einer Kamera. © NDR
Zu US-Präsident Donald Trump findet Kenton Barnes klare Worte: "Eine Katastrophe".

Viele Mitstreiter im Norden hat der Trump-Fan nicht. Die Zahl der "Republicans Overseas" in Deutschland ist mit 2.000 Mitgliedern überschaubar. Im Vergleich: die "Democrats Abroad" haben etwa 16.000 Mitglieder hierzulande. Kenton Barnes lebt seit 18 Jahren in Deutschland. Er unterrichtet mittlerweile Englisch an der Technischen Universität Braunschweig. Für die Demokraten setzt er sich seit knapp vier Jahren ein - seitdem Trump an der Macht ist. "Mit mehreren Menschen gemeinsam haben wir größere Chancen, die Politik zu beeinflussen und uns auch für unsere Rechte hier im Ausland einzusetzen", sagt er. Die Entwicklung in den USA unter Trump bereite ihm große Sorgen, gerade als Afroamerikaner. "Seit Trump im Weißen Haus sitzt, ist es mit Rassismus, Diskriminierung und Polizeigewalt schlimmer geworden." Wenn Trump wiedergewählt werden sollte, befürchtet er, dass es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommen könnte.

Barnes versucht, Landsleute zum Wählen zu bringen

Auch wenn die Stimmen der etwa 120.000 in Deutschland lebenden US-Amerikaner wohl nicht entscheidend sein werden, versuchte Barnes in den vergangenen Wochen, so viele Neuwähler wie möglich zu generieren. Das US-Wahlsystem ist sehr komplex. Anders als in Deutschland müsse man in den USA seine Wahlunterlagen frühzeitig selbst beantragen, indem man sich registriert. Die Regeln seien zudem von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich.

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"Trump wird deutlicher als 2016 gewinnen"

Weil Benjamin Wolfmeier keine amerikanische Staatsangehörigkeit hat, darf er nicht wählen. Bei den "Republicans Overseas" ist er als Deutscher die Ausnahme. Als einer von zwei Sprechern tingelt er dafür von einem Interview zum nächsten. Er ist so etwas wie die deutsche Stimme Trumps. Vor vier Jahren hat er den Präsidenten noch vor Ort beim Wahlkampf unterstützt und ihn auch live erlebt. Schon damals hat er mit seiner eigenen Wahlprognose den Ausgang richtig vorhergesagt. Er lag nur wenige Wahlmänner daneben. Auch in diesem Jahr veröffentlicht er alle paar Tage seine aktuellen Berechnungen in seinem Blog. Seine Prognose: "Donald Trump wird deutlicher als 2016 die Wahl gewinnen." Die Gründe sieht er vor allem in Trumps Wirtschaftspolitik. Historische Tiefstwerte bei der Arbeitslosigkeit und eine erstarkte Wirtschaft gehörten zu den größten Erfolgen des Präsidenten, so Wolfmeier.

Auf die Wahl folgt die Analyse aus Deutschland

Der Anhänger der Demokraten will sich in diesem Jahr nicht festlegen. Kenton Barnes glaubt an ein enges Rennen. Beide Unterstützer werden die Wahl in der Nacht zu Mittwoch unserer Zeit ganz genau verfolgen. Denn auch nach der Wahl geht es für die US-Experten weiter. Sie sind in Talkshows eingeladen, um die Wahl aus ihrer Sicht zu analysieren.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 01.11.2020 | 19:30 Uhr

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