Ein Traktor besprüht ein Feld mit dem Pestizid Glyphosat zur Unkrautvernichtung. © dpa/picture alliance Foto: Steven Lüdtke

Studie: Pestizide verbreiten sich weit abseits der Äcker

Stand: 29.09.2020 11:30 Uhr

Ackergifte lassen sich laut einer Studie des Umweltinstituts München weit abseits jener Flächen finden, auf denen sie ausgebracht worden sind. Das betrifft auch das wohl krebsauslösende Glyphosat.

Die Studie wies an rund drei Viertel der 163 untersuchten Standorte jeweils mindestens fünf und bis zu 34 Pestizidwirkstoffe sowie deren Abbauprodukte nach. Für Niedersachsen bedeutet das, dass die in den landwirtschaftlich geprägten Regionen eingesetzten Ackergifte auch in Wäldern oder in Städten wie Hannover, Oldenburg oder Osnabrück landen - und sogar auf dem Brocken im Harz.

"Die Ergebnisse unserer Studie sind schockierend. Glyphosat und andere Ackergifte verteilen sich als wahrer Pestizid-Cocktail bis in die hintersten Winkel Deutschlands. Pestizide landen in schützenswerten Naturräumen, auf Bio-Äckern und in unserer Atemluft. Wir fordern die Bundesregierung auf, umgehend zu handeln und Mensch und Natur besser zu schützen. Die Ackergifte, die sich am meisten verbreiten - Glyphosat, Pendimethalin, Prosulfocarb, Terbuthylazin und Metolachlor -, müssen sofort verboten werden", sagte Karl Bär, Agrarexperte im Umweltinstitut München. Diese fünf Wirkstoffe konnten bei den Messungen am häufigsten und weit entfernt von potentiellen Quellen nachgewiesen werden. Bär kritisiert, dass der sogenannte Ferntransport von Pestizidwirkstoffen bislang im europäischen Pestizid-Zulassungsverfahren nicht ausreichend berücksichtigt wird.

Breit angelegte Messungen

Über die gesamte Bundesrepublik wurden für die Studie "Pestizid-Belastung der Luft" von März bis November 2019 Pestizide in der Luft gemessen. Untersucht wurden Standorte im Umkreis von weniger als 100 bis hin zu mehr als 1.000 Metern Entfernung von potenziellen Quellen - in Städten und auf dem Land, in konventionellen und Bio-Agrarlandschaften sowie in unterschiedlichen Schutzgebieten. Die Daten wurden mit Hilfe von neu entwickelten technischen Passiv-Sammelgeräten, aus Filtermatten in Be- und Entlüftungsanlagen von Gebäuden sowie durch die Analyse von Bienenstöcken und Baumrinden erhoben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.09.2020 | 12:00 Uhr

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