Stand: 27.04.2019 12:53 Uhr

Stahlproduktion ohne CO2-Ausstoß - Geht das?

Die Salzgitter AG will Milliarden investieren, um den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids drastisch zu senken. Wie die "Braunschweiger Zeitung" berichtet, geht Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller von zunächst 1,25 Milliarden Euro aus, die ein erster Umbau des Hüttenwerks kosten würde. Bislang stößt der Konzern nach eigenen Angaben jährlich acht Millionen Tonnen Kohlendioxid aus. Künftig soll jedoch nicht mehr aus Steinkohle gewonnenes Koks verwendet werden, um die Hochöfen zu erhitzen. Stattdessen soll Wasserstoff eingesetzt werden. Bis 2025 sollen so in einem ersten Schritt rund 25 Prozent Kohlendioxid eingespart werden. Bis 2050 könnte dieser Wert um bis zu 95 Prozent im Vergleich zu heute gesenkt werden.

Fuhrmann: Ohne politische Unterstützung nicht umsetzbar

Das Unternehmen hofft darauf, dass die eigenen Kosten durch Förderprogramme um mehrere Hundert Millionen Euro gesenkt werden können. "Was wir erwarten, ist realistisch", sagte Konzernchef Heinz Jörg Fuhrmann laut dem Bericht. Die Dekarbonisierung sei möglich. Und wie es in einer Pressemitteilung heißt, sei das Projekt mit dem Namen Salcos (Salzgitter Low CO2 Steelmaking) ein "Angebot an Politik und Gesellschaft, die CO2-arme Stahlproduktion zeitnah zu realisieren". Ohne politische Unterstützung sei Salcos jedoch nicht umsetzbar, sagte Fuhrmann weiter. Deshalb würden Gespräche mit der EU, dem Bund und der Landesregierung geführt. Dem Bericht zufolge will sich Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) nun bei der EU für eine finanzielle Förderung zur Umsetzung des Projekts starkmachen.

Strom soll aus erneuerbaren Energien kommen

Um die neue Technologie umzusetzen, müssen neue Elektrolyseanlagen zur Wasserstoffproduktion, eine mehr als 100 Meter hohe sogenannte Direktreduktionsanlage und ein Elektrolichtbogenofen gebaut werden. Die Herstellung von Wasserstoff und der Betrieb der Anlagen soll dabei mittels erneuerbarer Energien erfolgen.

Konzern will von EEG-Umlage befreit werden

Die Salzgitter AG hofft daher auf eine Befreiung von der EEG-Umlage. Denn die Produktion auf Wasserstoff-Basis sei sehr stromintensiv und entsprechend teuer. Ohne Befreiung wäre der Konzern nicht wettbewerbsfähig, sagte Fuhrmann der Zeitung. Der Vorstandsvorsitzende betonte, dass es nicht um eine Subvention des laufenden Betriebs gehe. Das Wirtschaftsministerium jedenfalls hält laut dem Bericht zumindest eine Reduzierung der Umlage für "sinnvoll und erforderlich".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 17.04.2019 | 17:00 Uhr

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