Stand: 02.09.2016 14:37 Uhr

Mit allen Sinnen dem Himmel so nah

Der blinde Student und Projektvater Niels Luithardt (2.v.l.) führt seine audio-taktile Himmelsscheibe vor.

Die Milchstraße oder die Andromeda-Galaxie sind von der Sternwarte St. Andreasberg im Harz manchmal sogar mit bloßem Augen zu erkennen. Unter dem Motto "Dem Himmel so nah" wollen die Sternengucker aber auch Menschen, die nichts oder nicht gut sehen können, das Weltall näher bringen. Möglich macht das die vermutlich weltweit erste sprechende Himmelsscheibe, die von nun an dauerhaft in der Sternwarte ausgestellt ist. Am Sonnabendmittag wird sie feierlich enthüllt.

Größe zeigt die Leuchtkraft

Mit der Scheibe können blinde und sehbehinderte Menschen die Sterne und den Himmel hören und auch fühlen, erklärt dazu Utz Schmidtko, der erste Vorsitzende der Sternwarte St. Andreasberg. Selbstverständlich ist sie daher auch in Braille-Schrift beschriftet. Es können alle Tages des Jahres und die Uhrzeit eingestellt werden. Entsprechend erscheinen dann alle Sterne, die zu dem gewählten Zeitpunkt mit bloßem Auge am Himmel sichtbar sind. Insgesamt 170 Himmelskörper aus 35 Sternenbildern sind als runde Knöpfe in drei Größen dargestellt. An der Größe können die Nutzer die Leuchtkraft der einzelnen Sterne erkennen. Wird ein Knopf gedrückt, nennt die Himmelsscheibe den Namen des Sterns und die Zugehörigkeit zum jeweiligen Sternbild. Wer mehr Informationen wünscht, muss etwas länger drücken.

Geschenk aus Schleswig-Holstein

Die jeweils aktiven Sterne leuchten außerdem auf. Deshalb ist die neue Sternenkarte auch für Sehende ein besonderes Erlebnis, so Schmidtko. Die Himmelsscheibe ist fast einen Quadratmeter groß, 60 Kilogramm schwer und aus fein lackiertem Holz. Sie wurde vor wenigen Tagen erstmals öffentlich in Schleswig-Holstein gezeigt. Denn die audio-taktile Sternenkarte ist ein Geschenk des Vereins "Andersicht - Kompetenz für hör- und tastsinnige Projektarbeit" aus Kiel. "In St. Andreasberg im Harz, in der ersten barrierefreien Sternwarte in Europa, wird unser Relief des Sternenhimmels zum Schauen, Fühlen und Hören einen würdigen Platz haben", betonte Dr. Jürgen Trinkus, der Vorsitzende des Vereins.

Entworfen von einem blinden Studenten

Die Idee zu der sprechenden Himmelskarte hatte der Mathematik- und Physik-Student Niels Luithardt aus Kiel. Er ist selbst begeisterter Amateurastronom und seit seiner Kindheit blind. Er entwarf das Modell, das von einer Fachfirma für dreidimensionalen Formenbau umgesetzt wurde. Finanziert wurde das Projekt durch Spenden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 02.09.2016 | 17:00 Uhr

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