Stand: 08.11.2017 12:39 Uhr

Nadia Nischk: ausgezeichnet, aber arbeitslos

Die Geschichte hat vor neun Monaten bundesweit Schlagzeilen gemacht: Hunderte Asylbewerber sollen sich in der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen am Standort Braunschweig (LAB) Sozialleistungen erschlichen haben - unter anderem, in dem sie sich mehrfach unter verschiedenen Namen angemeldet haben. Aufgedeckt wurde der Betrug durch eine Mitarbeiterin. Nadia Nischk. Sie hat die mutmaßlichen Betrugsfälle zusammengetragen und den Ermittlern damals den entscheidenden Hinweis gegeben - gegen den Willen ihrer Vorgesetzten. Sie wurde von der Arbeit freigestellt, ihr befristeter Arbeitsvertrag dann nicht mehr verlängert. Was ist ein Dreivierteljahr später aus ihr und den Ermittlungen geworden?

Immer noch arbeitslos

Neun Monate später steht Nadia Nischk wieder im Rampenlicht: Die Leser der "Braunschweiger Zeitung" haben sie zur "Braunschweigerin des Jahres" gewählt. Die 49-Jährige kann es kaum glauben, als sie am Montagabend ausgezeichnet wird. Sie habe doch nichts Besonderes getan, sagt sie. Sie habe kein Leben gerettet oder ihr eigenes riskiert. Sie habe doch nur die Wahrheit gesagt. Auch wenn diese Wahrheit sie ihren Job gekostet hat, bereue sie nichts. "Ich würde es immer wieder genauso machen." Für die Zukunft wünsche sich die ausgebildete kaufmännische Assistentin für Fremdsprachen und Korrespondenz, beruflich wieder einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Sie ist immer noch arbeitslos.

Justizministerium: Sieben Täter verurteilt

Und die Ermittlungen? Sie dauern an. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt seit Februar gegen die Landesaufnahmebörde wegen des Verdachts der Untreue. Ergebnisse gebe es noch nicht, heißt es. Es handele sich um einen sehr komplexen Sachverhalt, so eine Sprecherin. 520 Verdachtsfälle von Asylbetrug waren im Sommer 2016 an die Polizei übergeben worden. In 514 Fällen hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen. Nach Angaben des Justizministeriums wurden in sieben Fällen die Täter bereits verurteilt, in 15 Fällen wurde Anklage erhoben.

Es handelt sich um eine Vielzahl von Ermittlungsverfahren mit unterschiedlichsten Konstellationen, weil in jedem Verdachtsfall sowohl die Anzahl der Aliasidentitäten, die Zuweisungsorte, die betroffenen Sozialbehörden sowie die beantragten beziehungsweise erhaltenen Sozialleistungen erheblich differieren können. Bereits wegen des daraus resultierenden, unterschiedlichen Ermittlungsaufwandes befinden sich die Ermittlungsverfahren laut Justizministerium in unterschiedlichen Stadien. Des Weiteren werden die Ermittlungsverfahren je nach Wohnort des Beschuldigten an verschiedene Staatsanwaltschaften - auch an Staatsanwaltschaften anderer Bundesländer - abgegeben und dort abschließend bearbeitet.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 07.11.2017 | 19:30 Uhr

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