Stand: 24.09.2017 15:47 Uhr

Schweineskelett macht Bronzezeit-Bauernhof komplett

Das liegt es - wohl seit gut 3.000 Jahren: Das gereinigte Skelett schaut laut Heske nach Osten. "Zur aufgehenden Sonne?", fragt der Grabungsleiter.

Einst ist die Hünenburg nahe Watenstedt (Landkreis Helmstedt) eine befestigte Siedlung gewesen. Das liegt lange zurück, gut 3.000 Jahre. Dass sich dort kulturelles Leben abspielte, zeigt sich regelmäßig, wenn Archäologen mit Sparten und Spachtel lang vergrabene Relikte aus dem Erdreich ans Tageslicht holen. Der neueste Fund: das Skelett eines Schweines aus der Bronzezeit. Das Besondere und äußerst Seltene an den Überresten ist, dass die Knochen vollzählig sind, wie der Göttinger Archäologe und Ausgrabungsleiter Immo Heske erklärt. Offenbar wurde das Tier bestattet, so der Wissenschaftler vom Göttinger Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Georg-August-Universität.

Was verrät das Skelett?

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Wissenschaftler und Studenten graben seit Jahren nach Spuren der Bronzezeit.

Die Braunschweiger Archäozoologin Silke Grefen-Peters will die Art der Bestattung nun genauer untersuchen, etwa ob es rituell unter die Erde gebracht wurde. Ihre Arbeit soll auch Aufschluss darüber geben, wie das Tier damals gelebt hat, welche Nahrung es zu sich nahm, gar welche Verletzungen es zu Lebzeiten erlitt. Bereits jetzt liefere der Fund die Gelegenheit, einen kompletten Einblick hinsichtlich der Größe und dem Körperbau der Tiere zu erlangen, so Heske. Aber auch Aussagen zu Nutzungs- und Altersstrukturen des Haustierbestandes in der Bronzezeit könnten so getroffen werden.

"Bronzezeitlicher Bauernhof" komplett

In den vergangenen Jahren hatten Archäologen in einem eng begrenzten Areal Überreste anderer bestatteter Nutztiere gefunden, wie Heske erklärt. Aus der Erde wurden etwa ein Pferd, zwei Rinder, Schafe, Ziegen und ein Hund geholt. "Zu unserer großen Überraschung erbrachte die Auswertung durch Frau Grefen-Peters für die Rinder und das Pferd jeweils ein männliches Geschlecht". Überraschend deswegen, weil in der Regel mehr weibliche Tiere - etwa wegen für die Milchproduktion - gehalten wurden. Generell müsse es sich bei den Tieren um zu Lebzeiten besondere Tiere gehandelt haben, die im Rahmen von kultisch-religiösen Handlungen bestattet wurden, so der Archäologe weiter. Mit dem Fund des Schweines sei nun der "bronzezeitliche Bauernhof" komplett.

Wie war das Leben zur Bronzezeit?

Die Grabungen finden im Rahmen eines Forschungsprojektes der Uni Göttingen statt. Unter dem Titel "Landschafts- und Ressourcennutzung in der Bronzezeit" wollen die Wissenschaftler nach eigenen Angaben mehr über die damalige Landschaft, die Nutzung durch den Menschen und die damit verbundenen Veränderungen herausfinden. "Damit werden letztendlich Aussagen zu den Lebensbedingungen in einer agrarisch sehr ertragreichen Region in Niedersachsen getätigt."

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.09.2017 | 08:00 Uhr

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