Stand: 20.12.2018 20:00 Uhr

Schulden je Einwohner: Braunschweig ist Vorbild

Braunschweig hat im vergangenen Jahr bundesweit die geringsten Schulden pro Einwohner gehabt. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hervor. Demnach lag die Pro-Kopf-Verschuldung in Braunschweig 2017 bei 347 Euro - und damit noch deutlich unter der von Jena, das mit 834 Euro Schulden je Einwohner das zweitbeste Ergebnis hervorbrachte. Mit 9.791 Euro hatte das nordrhein-westfälische Mülheim an der Ruhr die höchste Pro-Kopf-Verschuldung. Die Wirtschaftsprüfer haben für ihre Studie die Daten von 76 deutschen Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern verglichen. Die durchschnittliche Pro-Kopf-Verschuldung niedersächsischer Großstädte lag bei 2.563 Euro, und damit im Mittelfeld. Für Niedersachsen sind die Daten von acht Großstädten in die Studie eingeflossen.

Pro-Kopf-Verschuldung der niedersächsischen Großstädte
StadtEinwohnerzahl 31.12. 2017Netto-Schulden 2017Pro-Kopf-Verschuldung
Salzgitter104.463376.489.996 Euro3.604 Euro
Osnabrück163.611574.937.485 Euro3.514 Euro
Hannover532.9971.749.609.177 Euro3.283 Euro
Hildesheim101.682329.111.748 Euro3.237 Euro
Wolfsburg123.908278.974.140 Euro2.251 Euro
Göttingen118.956258.290.784 Euro2.171 Euro
Oldenburg166.054342.624.697 Euro2.063 Euro
Braunschweig247.66085.913.208 Euro347 Euro

Gesamtschulden sind in Niedersachsen gestiegen

Der Studie zufolge sind die Gesamtschulden der deutschen Großstädte im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent gesunken. Demnach lag die Gesamtverschuldung der 76 Großstädte bei 81.609 Milliarden Euro. Nach Angaben von Ernst & Young handelt es sich um den niedrigsten Wert seit 2013. Für die positive Entwicklung seien in erster Linie die Städte in Bayern und Ostdeutschland verantwortlich. Gestiegen sei dagegen die Gesamtverschuldung der Städte in Niedersachsen (um 8,2 Prozent) in Hessen (um 0,8 Prozent) und in Nordrhein-Westfalen (um 0,2 Prozent). Neben den Schulden der kommunalen Kernhaushalte flossen in die Berechnungen auch die Schulden der Extrahaushalte und die Schulden sonstiger öffentlicher Einrichtungen, Unternehmen und Fonds ein. Nicht mit einbezogen wurden die Stadtstaaten, deren Verschuldungssituation laut Ernst & Young nicht mit der anderer Städte vergleichbar sei, weil sie zusätzliche Landesaufgaben übernehmen.

Finanziell gut aufgestellte Städte reduzieren Schulden weiter

Die Studie zeigte nach Angaben der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, dass sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzt: "Finanziell gut aufgestellte Städte können weiter ihre Verbindlichkeiten reduzieren - und darüber hinaus sogar wichtige Zukunftsinvestitionen tätigen", so Bernhard Lorentz, Experte bei Ernst & Young. Auf der anderen Seite kämen viele klamme Kommunen trotz zum Teil erheblicher Sparanstrengungen beim Schuldenabbau kaum oder gar nicht voran. Lorentz warnt, dass sich dadurch die Lebensverhältnisse in Deutschland immer weiter auseinander entwickelten. Während Städte im wohlhabenden Süden Deutschlands ihren Bürgern und Unternehmen attraktive Angebote machen könnten und Infrastruktur und Bildungseinrichtungen modernisieren könnten, führten die Sparanstrengungen der hoch verschuldeten Kommunen dazu, dass dort die Lebensqualität weiter sinke.

Experte warnt vor Konjunkturabschwung

Lorentz warnt davor, dass im Falle eines Konjunkturabschwungs vielen deutschen Großstädten eine finanzielle Schieflage drohe. Seiner Ansicht nach müssten deshalb die Kommunalfinanzen neu geordnet werden. "Für notleidende Städte muss eine zukunftsfähige Lösung gefunden werden, die einerseits haushaltspolitische Disziplin belohnt, andererseits aber auch Entwicklungschancen und Perspektiven bietet. Die Kluft zwischen Arm und Reich darf nicht noch größer werden", fordert Lorentz.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 20.12.2018 | 09:30 Uhr

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