Das Bild zeigt Altkanzler Gerhard Schröder. © picture-alliance/dpa Foto: Christoph Soeder

Schröder besucht Uni Göttingen: Ging's um Ehrendoktorwürde?

Stand: 26.04.2022 14:54 Uhr

Der wegen seiner Haltung im Ukraine-Krieg in die Kritik geratene Altkanzler Gerhard Schröder hat am Montag die Uni Göttingen besucht. Die Universität hielt sich bedeckt, worum es bei dem Besuch ging.

Die Pressestelle der Georg-August-Universität Göttingen gab auf Nachfrage des NDR in Niedersachsen keine Auskunft darüber, mit wem sich Gerhard Schröder getroffen hat und ob es auch um seine Ehrendoktorwürde ging. Im März hatte unter anderem der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) gefordert, dass Schröder die Ehrendoktorwürde aberkannt werden solle. Darüber wird an der Universität derzeit diskutiert.

Sechs Fakultätsräte müssten Aberkennung zustimmen

Die Pressestelle der Universität erklärte, dass der Prozess sehr aufwendig ist, jemandem die Ehrendoktorwürde abzuerkennen. In der Promotionsordnung der Uni steht, dass diese nur durch die Fakultätsräte verliehen und auch wieder entzogen werden kann. Ein Fakultätsrat vertritt an der Universität alle Studiengänge einer bestimmten Fachrichtung. Schröder war die Ehrendoktorwürde gleich von allen naturwissenschaftlichen Fakultätsräten verliehen worden. Alle sechs müssten dementsprechend auch der Aberkennung zustimmen. Obendrein diskutieren auch das Präsidium und der Senat bei der Entscheidung mit. Wann und ob es im Fall Schröder zu einer Entscheidung kommt, ist derzeit völlig unklar.

Ehrendoktorwürde für Engagement als Ministerpräsident

Die naturwissenschaftlichen Fakultäten der Uni Göttingen hatten Schröder im Jahr 2005 die Ehrendoktorwürde verliehen, weil er sich in seiner Zeit als Ministerpräsident von Niedersachsen (1990-1998) außerordentlich für die Förderung der Naturwissenschaften an der Uni eingesetzt habe. Als Bundeskanzler habe er darüber hinaus wichtige Anstöße für eine Debatte über die Biowissenschaften in Deutschland gegeben und damit zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Biotechnologie und Lebenswissenschaften beigetragen. Schröder selbst hatte an der Georg-August-Universität Jura studiert.

Kein Ehrenbürger mehr von Hannover, kein Ehrenmitglied bei 96

Abgesehen davon, dass ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Göttingen möglicherweise entzogen wird, wäre es auch möglich, dass Schröder sie von sich aus zurückgibt. Mitte März hatte Schröder bereits die Ehrenbürgerwürde der Stadt Hannover zurückgegeben. Auch ist er nicht länger Ehrenmitglied verschiedener Fußballvereine, unter anderem seines Heimatvereins Hannover 96. Zuvor hatte ihm bereits der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Ehrenmitgliedschaft entzogen.

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14 Anträge auf Parteiausschlussverfahren bei der SPD

Auch seine eigene Partei versucht den Altkanzler loszuwerden: Bis Sonntag waren 14 Anträge regionaler SPD-Vereine für ein Parteiausschlussverfahren gegen Schröder beim zuständigen SPD-Bezirk Hannover eingegangen. Parteichefin Saskia Esken legte Schröder einen Rücktritt nahe. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte, dass Schröder mit seiner Haltung zum Ukraine-Krieg in der deutschen Öffentlichkeit wie auch in der SPD "komplett isoliert" sei.

Interview mit "New York Times" entfacht Kritik erneut

Der Altkanzler steht wegen seiner Haltung zum Ukraine-Krieg und zum russischen Präsidenten Wladimir Putin seit Wochen in der Kritik. Zuletzt hatte er mit einem Interview, das er der "New York Times" gegeben hatte, für Empörung gesorgt. Darin hatte er sich zwar vom Krieg distanziert, aber nicht von Putin. Zum Massaker im Kiewer Vorort Butscha sagte Schröder, er glaube nicht, dass die Befehle von Putin gekommen seien. Auch machte er klar, sich nur in dem Fall von seinen Posten bei russischen Energieunternehmen trennen zu wollen, wenn Russland Deutschland oder der Europäischen Union das Gas abdreht. Das Interview, das am Sonnabend in der US-amerikanischen Zeitung erschienen war, hatte die Kritik an Schröder neu entfacht.

Weil: Schröder komplett isoliert

Nach einem Interview mit der New York Times zu seiner Sicht auf die Ereignisse rund um den russischen Angriff auf die Ukraine und die eigene Nähe zu Russlands Präsident Putin gibt es zudem erneut Anstrengungen, Schröder aus der SPD auszuschließen. So sind bislang 14 Anträge regionaler SPD-Vereine für ein Parteiausschlussverfahren gegen Schröder beim zuständigen SPD-Bezirk Hannover eingegangen.

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Eine Bildkombo zeigt Stephan Weil und Gerhard Schröder (beide SPD) nebeneinander. © picture alliance/dpa | Ole Spata /Geisler-Fotopress/Xinhua News Agency | Zhang Yuan Foto: Ole Spata/Zhang Yuah

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 26.04.2022 | 15:00 Uhr

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