Stand: 13.03.2020 21:15 Uhr

Scharfe Kritik an Logistikzentrum für Atommüll

Jochen Stay (l-r), Sprecher der Anti-Atom-Organisation «.ausgestrahlt», Dirk Wilhelm, Bürgerinitiative gegen atomaren Dreck im Dreiländereck, und Ludwig Wasmus, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad, sitzen auf einer Pressekonferenz nebeneinander. © dpa Bildfunk Foto: Swen Pförtner
In Würgassen sollen atomare Abfälle zwischengelagert werden. Atomkraftgegner und eine Bürgerinitiative wehren sich gegen die Pläne.

Wohin mit dem Atommüll? In Niedersachsen sollen schwache und mittelschwache radioaktive Abfälle künftig im geplanten Endlager Schacht Konrad bei Salzgitter landen. Damit der Müll auch dorthin gelangen kann, soll in Würgassen (Nordrhein-Westfalen) an der Weser nahe der Gemeinde Boffzen (Landkreis Holzminden) eine Art Logistikzentrum entstehen. Doch diese Pläne stoßen auf massiven Widerstand einer Bürgerinitiative sowie von Atomkraftgegnern.

Initiativen befürchten massives Gesundheitsrisiko

Mehrere Initiativen haben vor dem geplanten Lager als massives Gesundheitsrisiko gewarnt. "Darunter werden sich stark kontaminierte Bauteile sowie toxische Stoffe wie Arsen und Quecksilber befinden", sagte Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt" bei einer Pressekonferenz mit weiteren Verbänden am Freitag. Der Müll werde mutmaßlich nicht so sicher verpackt werden wie stark strahlender Abfall. Dadurch sei am Ende eine ebenso hohe Strahlung zu erwarten. Auch die betroffenen Kommunen kritisieren die Pläne. Absolut ungenügend sei die Informationspolitik der Bundesregierung und der zuständigen Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), ließen die Gemeinden Boffzen sowie Beverungen in Nordrhein-Westfalen und Bad Karlshafen in Hessen verlauten.

Warum nicht gleich am Schacht Konrad?

Vor allem die Frage, warum das Logistikzentrum denn nicht gleich direkt am Schacht Konrad gebaut werde, treibt die drei Kommunen um. Die BGZ hatte vergangene Woche ihre Pläne am ehemaligen Atomkraftwerkstandort Würgassen vorgestellt. Die Gesellschaft sagte, das Logistikzentrum an diesem Standort sei mit dem Bundesumweltministerium abgestimmt. Dort sollen 450 Millionen Euro investiert werden und etwa 100 Arbeitsplätze entstehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.03.2020 | 12:00 Uhr

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