Stand: 25.07.2018 13:29 Uhr

Saatgut: Strenge Auflagen für Zuchtverfahren

Dieses Urteil ist ein Erfolg für Gentechnik-Kritiker und ein Rückschlag für Saatgutunternehmen wie zum Beispiel KWS aus Niedersachsen. Neue Zuchtverfahren wie die sogenannte Mutagenese gelten als Gentechnik und unterliegen somit grundsätzlich den Auflagen der Europäischen Union. Das hat am Mittwoch der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entschieden. Die Richter begründeten ihr Urteil damit, dass die Risiken bei den umstrittenen neuen Verfahren vergleichbar mit denen älterer Verfahren seien. Diese stünden bereits unter strengen Auflagen. Der EuGH blockiert damit den Weg für den schnellen breiten Einsatz des umstrittenen Zuchtverfahrens.

Petrischale mit Körnern

EuGH: "Gen-Schere" unterliegt strengen Auflagen

Hallo Niedersachsen -

Neue Mutagenese-Verfahren unterliegen laut EuGH-Urteil den strengen Richtlinien für Gentechnik. Dabei werden Änderungen im Erbgut erreicht, ohne dass fremde DNA eingefügt wird.

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Richter bewerten Mutagenese als Gentechnik

Mit der sogenannten Mutagenese-Technologie manipulierte Pflanzensorten gelten rechtlich als gentechnisch verändert, teilte der EuGH mit. In der Folge müssten die auf diesem Wege bearbeiteten Pflanzen auch als "gentechnisch veränderte Organismen" (GVO) gekennzeichnet werden. Von den strengen Regeln ausgenommen sind allerdings ältere Mutagenese-Verfahren, die als sicher gelten. Dabei werden Änderungen im Erbgut erreicht, ohne dass fremde DNA eingefügt wird.

Rückschlag für Saatguthersteller wie KWS

Mutagenese ist eine Züchtungstechnik, bei der die genetische Ausstattung von Pflanzen und Tieren verändert wird - und zwar durch Strahlen, Chemikalien oder durch ein Enzym, das das Erbgut aufschneidet. Durch Mutagenese können zum Beispiel Saatgutsorten entwickelt werden, denen bestimmte Unkrautgifte nichts anhaben. Auch niedersächsische Unternehmen wie der Saatguthersteller KWS stehen hier in den Startlöchern. Für sie ist das Urteil ein Rückschlag, denn nun drohen langwierige und kostenintensive Zulassungsverfahren. Zudem ist eine spezielle Kennzeichnung vorgeschrieben, die die Produkte rückverfolgbar macht. Für die Unternehmen ist dies ein Nachteil im weltweiten Wettbewerb, da zum Beispiel die USA auf diese Weise manipulierte Pflanzen nicht regulieren wollen.

Klage kam aus Frankreich

Französische Umwelt- und Agrarverbände hatten in ihrer Klage argumentiert, dass mit dem technischen Fortschritt neue Mutagenese-Verfahren entwickelt wurden, mit denen gezielte Mutationen in Genen möglich seien und die schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen haben könnten. Sie müssten daher speziell überprüft und gekennzeichnet werden. Die Luxemburger Richter folgten dieser Argumentation weitgehend.

Weitere Informationen

Neue Zuchtverfahren: Gentechnik ja oder nein?

Mit neuen Techniken können Pflanzen gezielter gezüchtet werden. Nun will der Europäische Gerichtshof entscheiden, ob es sich um Gentechnik handelt. (24.07.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 25.07.2018 | 12:00 Uhr

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