Stand: 22.04.2013 11:13 Uhr

"Robert" zieht "Schnecke" nach Mallorca

Bild vergrößern
"Schnecke" ist in den kommenden Wochen Wilfried Langners Zuhause.

Eines war Winfried Langner besonders wichtig: pünktlich loszukommen. Auf seiner rund 1.900 Kilometer langen Reise vom beschaulichen Weser-Ort Lauenförde (Landkreis Holzminden) bis auf die trubelige Mittelmeerinsel Mallorca kommt es zwar nicht unbedingt auf die Minute an. Aber der 77-Jährige wollte seiner Ankündigung treu bleiben. "Um 8 Uhr wird 'Robert' gezündet und dann geht's ab. Dann ist Opa weg." Und daran gab es auch nichts zu rütteln. Auf die Minute genau setzte sich der 50 Jahre alte Deutz-Trecker "Robert" knatternd in Bewegung - Musik in Langners Ohren. Zweimal hupte der Rentner noch zum Abschied, dann ließ er sein Haus in der Hasenstraße hinter sich und bog um die Ecke - erst einmal Richtung Nordrhein-Westfalen.

Vier Wochen für die Hinreise

Seine Route hat Langner auf das Heck seines Wohnwagens geklebt. Auch der kugelrunde Anhänger hat einen Kosenamen: "Schnecke" nennt Langner sein neues Zuhause für die kommenden vier Wochen. So viel Zeit hat Langner für den Hinweg kalkuliert. Eine schnellere Anreise ist bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 18 Stundenkilometern nicht drin. "Wenn man von morgens 8 bis mittags um 12 Uhr fährt, dann hat man schon 75 Kilometer - und das gleiche nachmittags noch mal, dann sind doch 150 Kilometer drin", sagte Langner vor seiner Abreise. Die Reiseroute stellte ihm sein Sohn zusammen. Sie ist so ausgelegt, dass der 77-Jährige alle 100 Kilometer einen Campingplatz findet. "So stehen wollte ich nicht. Schon alleine wegen des Duschens und Rasierens will ich jeden Abend auf einen Campingplatz", so Langner.

Mit Bauern auf Mallorca ins Gespräch kommen

Mit der Tour erfüllt sich Langner einen lang gehegten Wusch. Vor einem Jahr sei seine Frau gestorben. Die sei zwei Mal nach Mallorca geflogen. Jetzt wolle er die Insel auch einmal besuchen, erklärte er seine Beweggründe. Aber Fliegen sei nichts für ihn. Auch im Auto sitzt er nur ungern. Deshalb blieb als einzige Möglichkeit sein Deutz. Mit dem will Langner über die Insel fahren - zwei Monate lang. Faul herumliegen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen ist nichts für den umtriebigen Mann, der mit seinem "Robert" schon zwei Mal in Österreich war. Er will Mallorca erkunden und mit den dortigen Bauern ins Gespräch kommen.

Mit dem Traktor nach Mallorca

"So einen Vater hat nicht jeder"

Bis es so weit ist, liegen noch einige Kilometer vor Langner. Tochter Sabine hat dem 77-Jährigen am Montagmorgen noch zwei selbstgebastelte Schutzengel mit auf den Weg gegeben. "Ich unterstütze ihn voll und ganz. Er träumt nicht seinen Traum, er lebt ihn. So einen Vater hat nicht jeder", sagte sie stolz. Auch die Freunde und Verwandten, die Langner verabschiedeten, freuten sich für ihn - auch wenn sich so mancher beim Abschied eine Träne aus dem Auge wischen musste. Aber Ende August werden sie ihren "Fernfahrer Willi" schon wieder in Lauenförde willkommen heißen können.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.04.2013 | 08:40 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

02:50
Hallo Niedersachsen
02:20
Hallo Niedersachsen
02:10
Hallo Niedersachsen