Stand: 29.10.2019 19:39 Uhr

Prozess um falsches Gold: 21-Jähriger wortkarg

Drei Gesetzbücher stehen im Amtsgericht Göttingen. © dpa Bildfunk Foto: Swen Pförtner
Laut Anklage soll der heute 21-Jährige für das falsche Gold rund 300.000 Euro von der Sparkasse kassiert haben.

Ein 21-jähriger Auszubildender steht seit Dienstag in Göttingen vor Gericht, weil er einer Bank in zehn Fällen vergoldetes Metall als echtes Gold verkauft hat. Der Angeklagte wirkte kindlich und antwortete nur knapp und zögerlich auf die Fragen des Jugendschöffengerichts. Zusammenhängende Sätze sprach er kaum. Oft sagte er, er könne sich nicht erinnern. Die Situation vor Gericht war ihm sichtlich unangenehm. Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Mann gewerbsmäßigen Betrug vor. Weil der 21-Jährige dies aber nicht klar und deutlich zugab, soll der Prozess Mitte November fortgesetzt werden. Dann sollen auch weitere Zeugen gehört werden.

VIDEO: Verkauf falscher Goldbarren: 21-Jähriger vor Gericht (3 Min)

Bank kaufte 279 gefälschte Goldbarren an

Im September 2016 soll der damals 18-Jährige zum ersten Mal vergoldete Metallbarren an die Sparkasse Göttingen zum Gold-Tagespreis verkauft haben. Die Barren soll er im Internet erworben haben. Beim ersten Mal verkaufte er vier Barren, dann neun, bei den folgenden Malen mehrere Dutzend und beim letzten Deal Ende November 2018 sogar 80 Barren. Insgesamt sollen es 279 gefälschte Goldbarren gewesen sein. Der Bank soll er gesagt haben, dass das Gold aus einer Erbschaft stammt. Knapp 302.000 Euro kassierte der Angeklagte für die falschen Goldbarren. Erworben haben soll er sie für rund 9.900 Euro.

Wusste der Angeklagte vom Falschgold?

Einem Polizisten hatte der junge Mann während der Ermittlungen gesagt, dass er die Barren im Internet einem Russen abgekauft habe. Die Richterin fragte ihn, ob er gewusst habe, dass es sich um Falschgold handelte. Die Frage beantwortete er nicht. Als die Richterin frühere belastende Aussagen des Angeklagten vorlas, schwieg er oder sagte, er könne sich nicht erinnern.

119.000 Euro fehlen

Auf dem Konto des Auszubildenden stellte die Polizei im Laufe des Ermittlungsverfahrens 183.000 Euro sicher. Offen blieb vor Gericht die Frage, was mit den übrigen 119.000 Euro passiert ist. Nach Angaben des Richters habe der Angeklagte "davon nicht die Kuh von fliegen lassen". Einen Computer und ein Handy habe sich der 21-Jährige gekauft. Einen Teil des Geldes habe er möglicherweise auch für Münzen ausgegeben, die er eigenen Angaben zufolge sammelt, seit er etwa zehn Jahre alt war.

Trägt die Sparkasse eine Mitschuld?

Das Gericht wird im Laufe des Prozesses auch die Frage klären, inwiefern die Sparkasse in dem Fall eine Mitschuld trägt. Wegen des noch laufenden Prozesses wollte die Bank keine Stellungnahme abgeben. Nachdem der Fall im vergangenen Jahr öffentlich geworden war, hatte die Bundesbank mitgeteilt, dass ihr ein vergleichbarer Fall nicht bekannt sei. In der Regel kauften Banken Geld nur unter Vorbehalt. Bevor sie den Geldwert auszahlen, würden sie das Gold prüfen lassen. Die Sparkasse Göttingen hatte die falschen Goldbarren unter anderem an die Landesbank Baden-Württemberg weiterverkauft, bestätigte ein Sprecher der Landesbank. Dort war der Schwindel dann aufgeflogen.

Mitangeklagte Mutter erscheint nicht vor Gericht

Mitangeklagt in dem Prozess ist auch die Mutter des 21-Jährigen. Sie erschien jedoch nicht zum Prozessauftakt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft verhängte das Gericht gegen sie einen Strafbefehl in Höhe von 2.100 Euro. Die Frau soll in einem Fall ebenfalls versucht haben, der Sparkasse vergoldete Barren zu verkaufen. Weil zu dem Zeitpunkt allerdings schon gegen ihren Sohn ermittelt wurde, scheiterte sie mit ihrem Vorhaben.

Weitere Informationen
Goldstücke vor Geld. © fotolia Foto: Gina Sanders

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.10.2019 | 14:00 Uhr

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