Stand: 12.09.2019 17:51 Uhr

Prozess gegen Pädagogen hinter verschlossenen Türen

Zum Schutz vor den Kameras hält sich der Angeklagte beim Prozessauftakt einen Schnellhefter mit einem aufgemalten Emoticon vor sein Gesicht.

Am Landgericht Hildesheim hat am Donnerstag der Prozess gegen ein Ehepaar begonnen, das in Gifhorn eine Wohngruppe für hilfebedürftige und traumatisierte Kinder leitete. Um die Privatsphäre der Opfer zu schützen, schloss das Gericht die Öffentlichkeit vom weiteren Verfahren aus. Das berichtet NDR 1 Niedersachsen. Zwischen 1998 und 2007 sollen in der Gifhorner Wohngruppe von dem Paar mehrere Kinder körperlich und seelisch misshandelt worden sein.

Der Angeklagte bedeckt sein Gesicht.

Missbrauchsprozess gegen Pädagogen-Paar

Hallo Niedersachsen -

Vor dem Landgericht Hildesheim muss sich ein Pädagogen-Paar einer Wohngruppe verantworten. Der Mann soll Kinder missbraucht und misshandelt haben, seine Frau soll tatenlos zugesehen haben.

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56-Jähriger soll Kinder gequält haben

Der 56-jährige Erzieher muss sich wegen sexuellen Kindesmissbrauchs sowie Misshandlung Schutzbefohlener verantworten. Seine 60-jährige Ehefrau ist ebenfalls angeklagt. Ihr wird in fünf Fällen die Misshandlung von Schutzbefohlenen zur Last gelegt. Zudem soll sie von den Neigungen ihres Mannes gewusst haben, aber nicht eingeschritten sein. Laut Anklage soll der Mann beispielsweise ein Mädchen dazu gezwungen haben, tagelang Windeln zu tragen. Ein weiteres Kind habe er in einen Hundekäfig gesperrt.

Betroffene wandte sich an Betreuerin

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Der Angeklagten wird Misshandlung in fünf Fällen zur Last gelegt.

Eine inzwischen erwachsene, ehemalige Bewohnerin hatte im Januar mit einer Strafanzeige gegen das Paar den Fall ins Rollen gebracht. Eine andere Betroffene, die als Nebenklägerin in dem Prozess auftritt, hatte sich nach Angaben ihres Anwalts bereits früher wegen der Taten an eine Betreuerin gewandt. Diese habe aber beim damaligen Träger, den Diakonischen Heimen Kästorf, kein Gehör gefunden. 2007 trennte sich der Träger von dem Ehepaar. Hinweise auf sexuellen Missbrauch seien dafür aber nicht der Grund gewesen, teilte die Dachstiftung Diakonie mit. Ab 2007 übernahm Life Concepts Kirchröder Turm die Trägerschaft. In der Betreuungsstelle der Angeklagten lebten zeitweise bis zu sieben hilfebedürftige und traumatisierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Vorwurf: Sexueller Missbrauch in elf Fällen

Dem 56-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft sexuellen Kindesmissbrauch in elf Fällen sowie Misshandlung in vier Fällen vor. Er hatte bei den Vernehmungen zunächst angegeben, dass es sich um "Re-Inszenierungen" zur Aufarbeitung früherer eigener Traumata gehandelt habe. Nachdem die Vorwürfe bekannt geworden waren, wurde die Gruppe aufgelöst und dem Ehepaar im weiteren Verlauf der Ermittlungen fristlos gekündigt. Das Paar hatte daraufhin vor dem Arbeitsgericht Braunschweig eine Klage auf Weiterbeschäftigung eingereicht. Sie wollen damit eine Weiterbezahlung erreichen. Ein Sprecher des Trägers sagte, dass die 60-Jährige als Betreuerin der Wohngruppe weitermachen wolle. Das Paar sitzt seit März in Untersuchungshaft. Die Urteile in dem Prozess sollen voraussichtlich Ende November fallen.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 12.09.2019 | 14:30 Uhr

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