Eine Familie im Gang einer Mutter-Kind-Klinik. © Picture Alliance Foto: arifoto UG

Pandemie bringt Mutter-Kind-Kliniken in finanzielle Not

Stand: 11.11.2020 10:24 Uhr

Bis Ende September hat ein Rettungsschirm die corona-bedingten Ausfälle in Mutter-Kind-Kliniken aufgefangen. Nun sind viele bedroht. Eine Klinikleiterin in Bad Harzburg fordert erneut Hilfen.

Das Telefon in der Vorsorge-Reha-Klinik "Haus Daheim" steht nicht still. Aus Angst vor einer Corona-Infektionen sagen besorgte Mütter in den vergangenen Wochen lang geplante Kuren ab, sagt Geschäftsführerin Antje Krause zu NDR 1 Niedersachsen. Das sei für die Klinik ein großes Problem. "Wenn Frauen kurzfristig absagen oder wenn Frauen abbrechen, weil sie merken, sie kommen mit Hygieneregeln nicht klar und wollen lieber nach Hause fahren, das sind Ausfallkosten, die uns niemand erstattet." Den Verlust könne die Einrichtung nicht kompensieren.

Massive Verluste machen 30 Kliniken im Land zu schaffen

Krause rechnet in diesem Jahr mit einem Defizit in sechsstelliger Höhe. Bis zum Frühjahr könne sie den Betrieb so noch aufrechterhalten, sagt sie. Schlimmstenfalls müsse sie Personal kündigen. Wie dem "Haus Daheim" gehe es auch den anderen rund 30 Mutter-Kind-Kliniken in Niedersachsen. Alle seien wegen der Pandemie nicht ausgelastet und schrieben erhebliche Verluste.

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Dabei sei der Bedarf an Kuren zurzeit besonders gegeben, sagt Krause. Für Familien sei die Pandemie mit Homeschooling und Homeoffice sehr belastend. Umso wichtiger sei es, eine Auszeit vom Alltag nehmen zu können. Das bestätigt auch Sabine Hess aus Hamburg. Sie ist mit ihrem Sohn in Bad Harzburg zur Kur. Beide kämen "gut runter hier, machen schöne Ausflüge - unserer Beziehung tut das richtig gut", so Hess.

Krause hat mit EVA und Diakonie Onlinepetition gestartet

Antje Krause setzt sich auf bundespolitischer Ebene für eine Fortsetzung des Rettungsschirms für die Kurkliniken und damit die Ausgleichszahlungen ein. Als Vorsitzende des Evangelischen Fachverbands für Frauengesundheit (EVA) hat sie mit der Diakonie Deutschland eine Onlinepetition gestartet und bislang rund 10.000 Unterschriften gesammelt. Sie finde es zynisch, dass Familien in dieser Situation noch mehr belastet werden. "Es leuchtet mit nicht ein, warum es hier keine Hilfen gibt", sagt Krause.

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Regional Braunschweig | 11.11.2020 | 17:00 Uhr

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