Stand: 18.02.2019 07:16 Uhr

Ottobock: Von Holzbein zu Hightech

Rennfahrer Alessandro Zanardi verlor bei einem Unfall auf der Strecke beide Beine. Danach machte er als Handbiker Karriere - und fährt mithilfe von Ottobock-Prothesen wieder Autorennen. (Archivbild)

Es war der letzte Boxenstopp am Lausitzring in Brandenburg. Alessandro Zanardi führte an diesem 15. September 2001 - dann die Katastrophe. Der Unfall, bei dem der italienische Rennfahrer beide Beine verlor. Das Ende einer großen Karriere? Nein. Nur zwei Jahre später saß Zanardi wieder hinter dem Steuer. Zwei sogenannte C-Legs ersetzen heute seine Beine, die oberhalb des Knies amputiert werden mussten. Das C-Leg ist ein Produkt aus Niedersachsen, genauer: aus Duderstadt. Hergestellt wird es bei Ottobock - das Unternehmen feiert heute sein 100-jähriges Bestehen.

Prothesen für die Kriegsversehrten

Begonnen hat alles in Berlin, im Jahr 1919. Der Erste Weltkrieg war zum Glück zu Ende, doch die Auswirkungen waren natürlich überall im Land noch spürbar. Und sichtbar. Viele Soldaten kehrten mit Amputationen in die Heimat zurück. Otto Bock hatte eine Idee. Er gründete eine Firma im Stadtteil Kreuzberg, die begann, Bauteile für die dringend benötigten Prothesen auf industrielle und nicht, wie bislang, auf handwerkliche Art und Weise herzustellen. Die Idee wurde ein Erfolg, das Unternehmen Ottobock wuchs. Und zog um.

Von Kreuzberg ins Zonenrandgebiet

Aus Berlin ging es über Königsee in Thüringen nach Duderstadt. Seit 1947 ist die Firma hier zu Hause und ein Glücksfall für die bis heute strukturschwache Region im ehemaligen Zonenrandgebiet. Einen Weltmarktführer vermuten hier nicht viele. Das Unternehmen habe großen Anteil daran, dass der Landkreis ein guter Platz zum Leben und Arbeiten bleibe, sagt Bernhard Reuter (SPD), Landrat von Göttingen. Etwa 20.000 Einwohner hat Duderstadt - Ottobock beschäftigt mittlerweile 7.000 Mitarbeiter, wenn auch nicht alle im Landkreis Göttingen, sondern an 50 Standorten weltweit.

Kommt der Börsengang?

Die Firma hat heute längst andere Geschäftsfelder aufgetan als Kriegsversehrte. Ältere Diabetes-Patienten etwa und Unfallopfer. Unfallopfer wie Zanardi. Der vieldiskutierte demografische Wandel tut sein übriges. Die Zahl der Menschen, die eine Hightech-Prothese benötigten, werde weiter steigen, prognostiziert Norbert Stein, Geschäftsführer bei Ottobock. Der weltweite Markt für Prothesen von 1,78 Milliarden Dollar bis 2021 wird einer Analyse zufolge auf geschätzte 2,19 Milliarden Dollar Umsatz wachsen. Einen geplanten Börsengang sagten die Duderstädter 2017 zwar ab - aber aus der Welt ist die Idee nicht.

Mit 100 Mitarbeitern zu den Paralympics

Ein ganz wichtiges Datum für die Firma sind seit über 30 Jahren auch die Paralympics, die Olympischen Spiele für Sportler mit Behinderungen. "Gemeinsam haben wir es uns zum Ziel gesetzt, Menschen mit Mobilitäts-Einschränkungen einen besseren Zugang zum Sport zu ermöglichen", sagt Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes. Alleine nach Rio de Janeiro in Brasilien habe Ottobock im Jahr 2016 ein 100-köpfiges Serviceteam entsandt.

Merkel und Weil gratulieren am Montag

Ottobock ist ein Familienunternehmen, wenn auch ein sehr großes. Seit 1990 steht Hans-Georg Näder an der Spitze des Konzerns. Er ist der Enkel des Gründers und mit einem geschätzten Vermögen von 2,3 Milliarden Euro einer der reichsten Menschen in Niedersachsen. Wie viel Geld die Feierlichkeiten zum Jubiläum kosten werden, ist nicht bekannt. Heute wird auf jeden Fall angestoßen auf die Idee von Otto Bock: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) haben sich angekündigt, um zu gratulieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.02.2019 | 08:00 Uhr

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