Stand: 28.08.2015 12:36 Uhr

Osteroder Kaserne: "Goldene Nase" für Verkäufer?

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Die Kaserne sei 2014 "vorschnell verscherbelt worden", kritisiert Grünen-Politiker Raymond Rordorf.

Fast so schnell, wie der Traum um eine "Vorzeige-Flüchtlingsunterkunft" in Osterode am Harz ausgesprochen war, stand er bereits wieder vor dem Zerplatzen. Eigentlich wollte Schauspieler Til Schweiger die ehemalige Rommel-Kaserne mit deren Eigentümer Wolfgang Koch und dessen Firma, der Princess of Finkenwerder, wieder auf Vordermann bringen. Dann aber brachten Recherchen des NDR und der Zeitung "Die Welt" die fragwürdige Bonität der Firma ans Licht. Koch tauchte unter, zog sich aus dem Projekt zurück - und peilte offenbar den Verkauf des Geländes an. Mit Carsten Jungclaus scheint nun ein neuer, kreditwürdiger Investor gefunden. Ende gut, alles gut? Fast. Denn es sieht so aus, als ob der Mann, an dem das Projekt beinahe scheiterte, zumindest in monetärer Hinsicht als großer Gewinner hervorgeht: Wie das "Göttinger Tageblatt" (Freitagausgabe) berichtet, will Jungclaus das Gelände nun für einen siebenstelligen Betrag kaufen. Koch hatte die Kaserne 2014 in einer Zwangsversteigerung für rund 160.000 Euro erworben.

Wurde Kaserne verscherbelt?

Dass Koch "wahrscheinlich mit einer goldenen Nase aus der Sache rauskommt, ist mehr als ärgerlich und mit nichts verdient", sagte am Freitag der Sprecher der Osteroder Grünen, Raymond Rordorf. "Hier hätten Land und Bund viel Geld sparen können, wenn die Kaserne nicht vorschnell verscherbelt worden wäre, ohne Land und Kommune bei Verkaufsabsichten einzubeziehen." Seit dem Frühjahr verhandelt das Land Niedersachsen bereits mit der Princess of Finkenwerder über eine Anmietung des Areals. Auch nach Bekanntwerden des Rückzugs von Wolfgang Koch - und einer Belastung des Gebäudes mit Giftstoffen - hielt das Land an dem Plan fest, die ehemalige Kaserne als Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge zu mieten. Der Besitzerwechsel sollte nun möglichst schnell vonstattengehen, so Rordorf weiter. Die Zeit für Koch sei "endgültig abgelaufen".

Grüne sehen Schweiger weiter in der Pflicht

Entscheidend sei nun, dass es zeitnah eine Erstaufnahme-Einrichtung in Osterode gibt. Die Plätze würden dringend gebraucht, um eine angemessene Erstaufnahme und sachgerechte Verfahrenszeiten für Menschen in Not zu gewährleisten. Ein weiteres starkes Argument für den Standort sei die positive Einstellung vieler Osteroder. Til Schweiger sieht der Grünen-Politiker weiter in der Pflicht, "sich für die 'Vorzeigeeinrichtung' zu engagieren".

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