Stand: 02.09.2015 14:38 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Mord von 1994: Spuren führen nach Braunschweig

Nach mehr als 25 Jahren ist es der Polizei in Gifhorn gelungen, eine 1994 getötete Frau zweifelsfrei zu identifizieren. Das sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Bei der Frau handelt es sich um die damals 28 Jahre alte tunesische Staatsangehörige Zakia M. Die Identität konnte durch ein Abstammungsgutachten der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) bestätigt werden. Aufgrund der neuen Erkenntnisse ergaben sich neue Ermittlungsansätze und es wurde in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Hildesheim die Mordkommission Eickhorst II mit den weiteren Ermittlungen beauftragt.

Zakia M. starb durch äußere Gewalteinwirkung

Zakia M. wurde nach Polizeiangaben am 2. Weihnachtsfeiertag in der Gemarkung Eickhorst im Landkreis Gifhorn in einem Wasserloch liegend tot aufgefunden. Offensichtlich war die Frau mit einem oder mehreren Begleitern in einem Pkw auf einen asphaltierten Wirtschaftsweg abgebogen. Hier muss es aus unbekannten Gründen zu einer Auseinandersetzung gekommen sein, bei der Zakia M. durch äußere Gewalteinwirkung ums Leben kam.

Vermisstenanzeige nach 25 Jahren

Nach fast 25 Jahren wurde eine Vermisstenanzeige durch die Ehefrau des Sohnes von Zakia M. erstattet. Nach derzeitigem Stand kam Zakia M. am 13. Dezember 1994 per Flug aus Tunesien in Hannover an. Auf dem Flug nach Hannover könnte Zakia M. nach Polizeiangaben eine Frau kennengelernt haben, von der sie in den darauffolgenden Tagen besucht wurde. Die unbekannte Frau - sie stammt möglicherweise aus dem Raum Wolfsburg - wird als Zeugin gesucht. Zakia M. hatte während ihres Aufenthalts seit dem 13. Dezember 1994 Kontakte zu Personen in Wolfsburg und Salzgitter. Dementsprechend könnte Zakia M. sich in diesem Bereich aufgehalten haben.

Weitere Hinweise eingegangen

Am Mittwoch war der Fall Thema in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" im ZDF. Danach waren Dutzende Anrufe mit neuen Hinweisen zu der etwa 25 bis 30 Jahre alten Frau mit asiatischem Aussehen seien danach eingegangen, teilte die Polizei in Gifhorn mit. Wer die Frau war und warum sie getötet wurde, darüber weiß die Polizei zwar bis heute nichts. Dennoch scheinen die Ermittler weiter zu sein als zuvor.

Zeugin hatte späteres Opfer gesehen

"Beim Durchforsten alter Akten sind wir auf eine Zeugin gestoßen, die wir noch einmal vernommen haben", sagte Jürgen Schmidt NDR.de. Schmidt ist Leiter der Kriminalpolizei Gifhorn und war schon damals mit dem Fall betraut. Die Zeugin hatte nach eigenen Angaben in jenen Tagen kurz vor Heiligabend den Weihnachtsmarkt in Braunschweig besucht. Dort sei ihr eine asiatisch aussehende Person aufgefallen, ähnlich der, die auf einem Bild der Polizei zu sehen war, das nach der Tat veröffentlicht wurde. "Die Zeugin ist selbst Asiatin, deshalb ist ihr die Frau aufgefallen", sagte Schmidt. Die Polizei ist nun auf der Suche nach Film- oder Fotomaterial von diesen Tagen auf dem Weihnachtsmarkt.

Gesicht bis zur Unkenntlichkeit entstellt

Damit gebe es einen ersten Bezug zu Braunschweig, sagt Schmidt. Ein weiterer Hinweis verstärke die Spur dorthin. Nach der Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" konnte nämlich eine Zeugin Hinweise zu dem Mantel geben, den das Opfer getragen hatte. "Die Zeugin hat angegeben, diesen Mantel auf einem Flohmarkt in Braunschweig verkauft zu haben", sagte Schmidt. "Das Opfer hat ganz offensichtlich in Braunschweig gelebt." Die Leiche der jungen Frau war am 26. Dezember 1994 mit dem Gesicht nach unten in einem Wassergraben neben einem Feldweg in der Nähe von Vordorf-Eickhorst (Landkreis Gifhorn) von einer Reiterin entdeckt worden. Die Obduktion ergab später, dass sie ertrunken oder am eigenen Blut erstickt war. Als Tatzeit kommen laut Polizei die Abende oder Nächte vom 22. auf den 23. und vom 23. auf den 24. Dezember 1994 in Betracht. Das spätere Opfer war mit einem scharfkantigen Gegenstand, möglicherweise einem Beil, angegriffen worden. Ihr Gesicht war bis zur Unkenntlichkeit entstellt, der Schädel zertrümmert. Eine Reiterin hatte die Tote entdeckt.

Sie hatte mindestens ein Kind

Die Frau war schlank und hatte leicht welliges, braunes Haar. Vor ihrem Tod hat sie mindestens ein Kind zur Welt gebracht. Als sie gefunden wurde, trug sie keinen Schmuck und hatte keinerlei persönlichen Gegenstände bei sich. Die Polizei fand weder eine Handtasche noch eine Geldbörse. Diese Gegenstände könnten also vom Täter entsorgt oder mitgenommen worden sein. In der Nähe des Tatorts hatte die Polizei aber Reifenspuren sichern könnern. Sie stammten von einem Michelin-Reifen, Modell: Michelin Energy MXT. In den Jahren 1992 bis 1994 hatten standardmäßig die 5er- oder 7er-BMW solche Reifen. Die Schuhe, die die Tote trug, waren schwarze Wildleder-Schnür-Stiefeletten der Marke "Canda" von C&A mit Plateau-Absatz, Größe 36. Das Modell wurde bis Ende 1994 verkauft.

Für Hinweise, die zur Überführung des Täters führen, hat die Polizeidirektion Braunschweig eine Belohnung in Höhe von 2.500 Euro ausgesetzt. Zeugen werden gebeten, sich bei der Polizei Gifhorn zu melden: (05371) 980 0.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 03.09.2015 | 17:00 Uhr

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