Stand: 03.09.2020 17:45 Uhr

Missbrauchsprozess in Göttingen hat begonnen

Ein Angeklagter steht in einem Gerichtssaal in Göttingen. © dpa-Bildfunk Foto: Swen Pförtner
Vor dem Göttinger Landgericht muss sich ein Mann aus dem Landkreis Northeim wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs verantworten.

Vor dem Landgericht Göttingen hat am Donnerstag der Prozess gegen einen 49 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Northeim begonnen. Er ist wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, fünf Mädchen missbraucht und Aufnahmen von sexuellem Missbrauch an Kindern angefertigt und besessen zu haben. Die Polizei hatte den Mann im Zuge der Ermittlungen zum hundertfachen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde (Nordrhein-Westfalen) festgenommen. Als Zeugen will die Kammer auch einen der Haupttäter aus dem Missbrauchskomplex Lügde, Andreas V., vernehmen. Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Opfer müssen vermutlich aussagen

Die Mädchen soll zum Tatzeitpunkt zwischen 6 und 13 Jahren alt gewesen sein. Im August war die Staatsanwaltschaft noch von sieben Opfern ausgegangen. "Es geht nicht nur den betroffenen Kindern sehr schlecht, sondern den gesamten Familien", sagte der Nebenklagevertreter Steffen Hörning. Die Beteiligten müssten teilweise psychotherapeutisch betreut werden. Der Rechtsanwalt rechnet damit, dass alle betroffenen Kinder und Jugendlichen erneut vor Gericht aussagen müssen. Die Nebenklägerinnen sind heute zwischen 9 und 16 Jahre alt.

Datenträger bei Angeklagtem sichergestellt

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Bekannte der Lügde-Täter seine Taten nicht auf dem Campingplatz, sondern an anderen Orten begangen haben. Im März hatten Fahnder bei einer Hausdurchsuchung 43 Datenträger sichergestellt. Gefundene Videos und Bilder hätten den Verdacht gegen den Angeschuldigten erhärtet, mehrere Kinder und Jugendliche missbraucht zu haben, so die Staatsanwaltschaft. Videobefragungen der Opfer, die von speziell geschultem Personal vorgenommen wurden, ergaben zudem weitere Anhaltspunkte auf regelmäßige sexuelle Übergriffe. Im Zuge der Ermittlungen gegen den 49-Jährigen wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft Göttingen gegen 130 weitere Personen Ermittlungsverfahren wegen Missbrauchs und Vergewaltigung von Kindern sowie wegen des Besitzes von Kinderpornografie eingeleitet.

Lügde-Täter wegen Missbrauchs verurteilt

Im Fall Lügde waren im vergangenen Herbst am Landgericht Detmold zwei Männer zu langjährigen Haftstrafen und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Sie hatten auf dem Campingplatz an der Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen 32 Kinder jahrelang schwer sexuell missbraucht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.09.2020 | 08:00 Uhr

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