Stand: 09.01.2020 20:19 Uhr

Missbrauchsprozess: Pädagogen äußern sich nicht

Die Angeklagten mit Ordnern vor den Gesichtern. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
Die angeklagten Erzieher sollen Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht und misshandelt haben.

Der Missbrauchsprozess gegen ein Pädagogen-Ehepaar aus Gifhorn ist am Donnerstag vor dem Landgericht Hildesheim fortgesetzt worden. Der 57 Jahre alte Erzieher und seine 60-jährige Ehefrau müssen sich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen sowie schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen verantworten. Die Taten sollen zwischen 1998 und 2007 begangen worden sein. Der Prozess hatte ursprünglich im September 2019 begonnen, wurde dann allerdings auf Antrag der Verteidigung ausgesetzt. Grund für die Verzögerung: Im Herbst hatten die Ermittlungsbehörden 13 Kartons mit neuen Akten und Asservaten eingereicht. Bis Ende Mai sind weitere 26 Verhandlungstermine geplant.

VIDEO: Missbrauch: Neuer Prozess gegen Pädagogen-Paar (3 Min)

Angeklagtes Paar äußert sich nicht

Als die Angeklagten am Donnerstagmorgen in den Gerichtssaal geführt wurden, verdeckten sie ihre Gesichter mit Mappen. Der Mann korrigierte die Vorsitzende Richterin beim Verlesen seines Familienstandes, die Frau gab sich ebenfalls entschlossen und wollte dem Gericht ihre Anschrift nicht nennen. Diese wurde daraufhin aus den Akten entnommen. Anschließend äußerte sich das Paar nicht mehr und zeigte kaum eine Regung.

Übergriffe in Badewanne und Dusche

Die Staatsanwältin beschrieb in ihrer Anklage die vorgeworfenen Taten mit zum Teil grausamen Details. So soll es sexuelle Übergriffe durch den Mann unter anderem in der Badewanne und Dusche gegeben haben. Die Opfer waren demnach zwischen 6 und 14 Jahre alt. Außerdem soll der Erzieher mit den mindestens vier Mädchen seinen Windelfetisch ausgelebt und eines der Opfer in einen Hundekäfig gesperrt haben, so die Staatsanwältin. Dem 57-Jährigen wird sexueller Missbrauch in elf Fällen sowie Misshandlung in vier Fällen vorgeworfen.

Ehefrau griff nicht ein

Der Frau wird unter anderem zur Last gelegt, nichts unternommen zu haben, obwohl sie von den Neigungen ihres Mannes wusste. "Trotz bestehender Verhinderungsmöglichkeiten schritt sie nicht ein und nahm Schäden in Kauf", so die Staatsanwältin. Deshalb würden auch ihr fünf Fälle vorgeworfen. Zudem soll das Paar einen Fall gemeinschaftlich begangen haben, als es ein Kind laut Anklage zur Bestrafung mehrere Tage alleine in dem Haus einsperrte.

Anwältin: "Leiden der Opfer wird verlängert"

Die Opfer sind Nebenklägerinnen und sollen als Zeuginnen gehört werden. Eine der Verteidigerinnen kritisierte den Neustart des Verfahrens, da sich an der Beweislage nichts geändert habe. Durch die Unterbrechung des Prozesses seien die Leiden für die Opfer verlängert worden. Einige von ihnen müssten nun erneut aussagen und die ganze Situation noch einmal durchleben.

Ehemalige Bewohnerin deckt Misshandlungen auf

Die beiden Angeklagten hatten mehr als 25 Jahre lang eine Wohngruppe für traumatisierte Kinder und Jugendliche in Gifhorn geleitet, die bis 2007 von der Dachstiftung Diakonie betrieben wurde. Danach übernahm "Life Concepts Kirchröder Turm" die Trägerschaft. Im Januar 2019 erstattete eine ehemalige Bewohnerin, die inzwischen erwachsen ist, Anzeige gegen das Paar.

Verdächtiger seit März 2019 in Untersuchungshaft

Der Mann sitzt seit März 2019 als mutmaßlicher Haupttäter wegen Flucht- und Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft. Ein Antrag auf Entlassung nach Aussetzung der Hauptverhandlung wurde vom Oberlandesgericht Celle abgewiesen. Die Ehefrau, die Missbrauch und Misshandlungen nach Auffassung der Staatsanwaltschaft wissentlich geschehen ließ, befindet sich seit der Aussetzung der Verhandlung auf freiem Fuß.

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Hallo Niedersachsen | 09.01.2020 | 19:30 Uhr

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