Stand: 22.04.2016 18:35 Uhr  | Archiv

Milliarden-Verlust: "Dieselgate" und die Folgen in Zahlen

Wegen der Kosten für den Abgasskandal muss Volkswagen den größten Verlust seiner Konzerngeschichte verbuchen. Mit unterm Strich minus 1,6 Milliarden Euro liegt das Ergebnis von 2015 tief in den roten Zahlen. Das teilte der Autokonzern am Freitag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit. 2014 wurde noch ein Gewinn von knapp 11 Milliarden Euro erwirtschaft. Das operative Ergebnis sackte von 12,7 Milliarden Euro 2014 auf minus 4,1 Milliarden Euro 2015. Ohne die Kosten für die Abgas-Affäre wäre der operative Gewinn leicht gestiegen. Für die Folgen des Diesel-Skandals muss der Konzern in seiner Bilanz für 2015 rund 16,2 Milliarden Euro zurückstellen. "Unser operatives Geschäft ist nach wie vor sehr gesund", sagte Konzernvorstands-Chef Matthias Müller. Keine Angaben hingegen wurden zu weiteren möglichen Auswirkungen auf die Belegschaft gemacht. Die Vorstandsboni sollen als Konsequenz um 30 Prozent gekürzt werden, sagte Niedersachsens Ministerpräsident und Aufsichtsratsmitglied Stephan Weil (SPD).

VIDEO: VW verkündet Verluste von 1,6 Milliarden (3 Min)

Bonuskürzung - vorerst

Diese Kürzung gilt jedoch nur vorerst und unter gewissen Bedingunen. Das Geld wird in virtuelle Aktien umgewandelt und auf Halde geparkt. Nach Ablauf von drei Jahren wird dann der Aktienkurs überprüft. Liegt er dann um ein Viertel über dem jüngst wegen der Diesel-Krise niedrigen Niveau, wird das Geld voll ausbezahlt. Liegt der Kurs der Papiere darüber, gibt es sogar entsprechend mehr Geld. Eine Deckelung greift bei 200 Prozent. Liegt der Kurs unter den 125 Prozent, sinkt das einbehaltene Geld entsprechend gestaffelt ab.

Einbruch bei Dividenden

Der Umsatz von Europas größtem Autobauer stieg um 5,4 Prozent auf gut 213 Milliarden Euro. Der Abgas-Skandal lässt jedoch die Dividende erheblich einbrechen. Der Konzern will für jede seiner stimmrechtslosen Vorzugsaktien nur noch 0,17 Euro ausschütten. Vor einem Jahr war für 2014 noch der Rekordwert von 4,86 Euro geflossen. Für die stimmberechtigten VW-Stammaktien sollen entsprechend 0,11 Euro fließen (zuvor: 4,80 Euro).

VW verschiebt unterdessen seinen für Ende April angekündigten Zwischenbericht zur Schuldfrage im Abgasskandal auf unbestimmte Zeit. Die Verzögerung hänge mit "unvertretbaren Risiken" für den Konzern zusammen, weil sich ein mögliches Strafrisiko für das Unternehmen mit einer Veröffentlichung erhöhen könnten, teilte VW mit. Aufsichtsrat Wolfgang Porsche sagte zudem, dass sich Personen, die noch aussagen müssten, an diesem Zwischenstand würden orientieren können.

Weitere Informationen
Hans Dieter Pötsch (l-r), Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG, Wolfgang Porsche, Aufsichtsrat Volkswagen AG, Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, Stephan Weil (SPD), Aufsichtsrat Volkswagen AG und Niedersächsischer Ministerpräsident, und Bernd Osterloh, Gesamtbetriebsratsvorsitzender und Aufsichtsrat Volkswagen AG, stehen bei einer Pressekonferenz im Volkswagen Werk in Wolfsburg. © NDR
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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 22.04.2016 | 19:30 Uhr

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