Stand: 09.04.2020 10:42 Uhr

Max-Planck-Institut: Kontaktverbot noch 14 Tage!

Eine selbst gemaltes Hinweisschild mit zwei Strichmännchen mit der Bitte den Abstand zwischen zwei Personen auf mindestens 1,5 Meter zu halten. © picture alliance Foto: Frank May
Die Einschränkungen wegen der Corona-Krise zeigen laut Göttinger Forschern bereits Wirkung.

Die Sonne scheint, Ostern rückt näher - und doch ist alles irgendwie anders: Die Kontaktbeschränkungen wegen der Corona-Krise liegen wie ein dunkler Schatten über den bevorstehenden Feiertagen. Ausgelassene Zusammenkünfte im großen Familienkreis sind ebenso wenig möglich wie Grillabende mit Freunden. Selbst die Großeltern können beim Eiersuchen in diesem Jahr nicht mit dabei sein. Doch muss das wirklich sein? Bringen die Beschränkungen eigentlich überhaupt etwas? Forscher vom renommierten Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen haben diese Frage jetzt wissenschaftlich untersucht. Ihre Ergebnisse zeigen, dass die tiefgreifenden Einschränkungen im alltäglichen Leben der richtige Weg sind und unbedingt noch eine gewisse Zeit lang beibehalten werden müssen.

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Kontaktbeschränkungen zeigen klare Wirkung

Laut der Modellrechnung der Wissenschaftler ist es eindeutig auf die Kontaktbeschränkungen zurückzuführen, dass die gefürchtete exponentielle Ausbreitung des Coronavirus verhindert werden konnte und sich der Anstieg der Infektionen verlangsamt hat. "Wir sehen eine klare Wirkung der Kontaktsperre vom 22. März und natürlich den Beitrag von jeder einzelnen Person", sagte die Leiterin der Forschungsgruppe, Viola Priesemann. "Unsere Gesellschaft kann wirklich stolz darauf sein, dass sie diese Wende geschafft hat."

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Hannoveraner sitzen am Maschsee auf Bänken und halten Abstand. © imago images/localpic

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Lockerung derzeit noch zu früh

Von Entwarnung kann aber dennoch keine Rede sein. Die Simulation zeigt nämlich auch, dass die sozialen Kontakte noch rund zwei Wochen auf ein Minimum beschränkt werden müssen, um die Corona-Epidemie wirklich in den Griff bekommen zu können. "Wenn jetzt die Beschränkungen aufgehoben werden, sind wir wieder ganz am Anfang", so Priesemann. "Wir sehen ganz klar: Die Fallzahlen in zwei Wochen hängen von unserem Verhalten jetzt ab." Erste Lockerungen zu Ostern kämen demnach noch viel zu früh.

Auf einer Grafik des Max-Planck-Instituts ist die Entwicklung von bestätigten Corona-Neuinfektionen in vier verschiedenen Kurven prognostiziert, anhand von vier verschiedenen Szenarien. © Max-Planck-Institut
Das Modell der Göttinger Forscher zeigt, wie sich die Zahl der Corona-Neuinfektionen ohne und mit den verschiedenen Maßnahmen-Stufen entwickelt.
Absinken der Neuerkrankungen erwartet

Das Team des Max-Planck-Instituts simuliert seit Mitte März gemeinsam mit Wissenschaftlern des Göttingen Campus den Verlauf der Corona-Epidemie in Deutschland. Dem Modell zufolge bewirken die jetzt geltenden Maßnahmen, dass die Anzahl an Neuerkrankungen in den kommenden zwei Wochen weiter absinken wird, sofern die Regeln konsequent eingehalten werden. Im besten Szenarium würde es dann nur noch einige Hundert neue Infektionen pro Tag geben. Die Erkrankten könnten gezielt isoliert und bestmöglich versorgt werden. "Ich finde es sehr ermutigend. Mit den Maßnahmen könnten wir die Neuinfektionen soweit zurückdrängen, dass wir danach mit Vorsicht, aber hoffentlich mit deutlich weniger Einschränkungen weitermachen können", sagte Priesemann.

Corona: Dafür drohen Bußgelder bis zu 10.000 Euro

Ein Katalog des Landes listet auf, was Verstöße gegen die Corona-Reglementierungen kosten. Bußgelder bis zu 10.000 Euro werden fällig, wer Freizeit- und Vergnügungsstätten oder Restaurants öffnet. Deren Besuch kann bis zu 400 Euro kosten. Auch der Betrieb von Beherbergungsstätten kann mit bis zu 10.000 Euro bestraft werden. Veranlasser öffentlicher Veranstaltungen müssen mit einem Bußgeld bis zu 5.000 Euro rechnen. Die Nichteinhaltung des Mindestabstandes von 1,5 m in der Öffentlichkeit betrifft de facto jeden Niedersachsen. Das ahndet das Land mit einem Bußgeld in Höhe von 150 Euro.

Anteil der einzelnen Maßnahmen bleibt offen

Nicht klären können die Göttinger Forscher mit ihrem Modell allerdings, welche einzelnen Beschränkungen besonders effektiv sind. Es bleibt also offen, ob die Schließung der Schulen und Kindergärten, die Beschränkungen des Handels oder aber das private Kontaktverbot besonders stark zu Eindämmung des Coronavirus beitragen. "Es ist schon schwierig genug, die Effekte der Maßnahmenpakete einzuschätzen, ganz zu schweigen von den einzelnen Maßnahmen", so Priesemann. Klar sei allerdings, dass die Situation ohne die Beschränkungen ganz anders aussähe. "Unsere Modellrechnung zeigt auch, dass wir inzwischen rund 200.000 bestätigte Infektionen hätten, wenn es etwa bei den milden Beschränkungen vom 8. März geblieben wäre, ganz zu schweigen davon, wenn es gar keine Maßnahmen gegeben hätte", betonte Priesemann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 09.04.2020 | 12:00 Uhr

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