Stand: 16.06.2020 14:59 Uhr

"Maddie": Verdächtiger will früher aus Haft

Blick auf die Justizvollzugsanstalt Kiel. © dpa - Bildfunk Foto: Carsten Rehder
Derzeit sitzt der Verdächtige im Fall "Maddie" in Kiel ein - allerdings wegen eines anderen Vergehens.

Das Landgericht Braunschweig soll darüber entscheiden, ob der Verdächtige im Fall "Maddie" McCann vorzeitig aus der Haft entlassen werden soll. Der Mann hat einen Antrag gestellt, den Rest einer Freiheitsstrafe für eine andere Tat zur Bewährung auszusetzen. Das Landgericht Kiel wies diesen Antrag aber nach Niedersachsen zurück. Wie die Schleswig-Holsteiner am Dienstag mitteilten, hält sich die mit der Sache befasste Strafvollstreckungskammer für örtlich nicht zuständig, da sich das Landgericht Braunschweig schon einmal mit der Frage befasst hat, die Strafe auszusetzen. Damals war der Mann noch in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel inhaftiert.

Mann im Verdacht, "Maddie" getötet zu haben

Der Häftling steht im Verdacht, vor 13 Jahren die dreijährige Madeleine "Maddie" McCann aus einer Ferienanlage in Portugal entführt zu haben. Die Ermittler in Deutschland sind überzeugt, dass das Kind tot ist. Die britische Polizei geht hingegen weiter von einem Vermisstenfall aus. Bis heute ist "Maddie" verschwunden.

Haft in Kiel endet 2021

Der 43-Jährige ist mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft und sitzt zurzeit in Kiel eine Strafe ab, die 2011 das Amtsgericht Niebüll gegen ihn verhängte. Dabei ging es um den Handel mit Drogen. In Kiel endet die Haft wegen Drogendelikten im Frühjahr 2021. Der Mann hat bereits zwei Drittel dieser Strafe verbüßt.

2005: 72-Jährige vergewaltigt

Parallel ist gegen ihn wegen Vergewaltigungsvorwürfen eine Untersuchungshaft angeordnet. Zuletzt verurteilte ihn das Landgericht Braunschweig am 16. Dezember 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft. Er hatte 2005, rund eineinhalb Jahre vor dem Verschwinden Maddies, in Praia da Luz eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Revision liegt beim Bundesgerichtshof.

Verdächtiger bald auf freiem Fuß?

Sollte das Braunschweiger Landgericht seinem Antrag auf vorzeitige Haftentlassung auf Bewährung stattgeben, heißt es aber nicht, dass der Mann auf freiem Fuß ist. Denn sollte das Urteil im Fall der Vergewaltigung der 72-Jährigen rechtskräftig werden, muss der Beschuldigte auch diese Strafe verbüßen. Bis dahin wäre auch die Anordnung von Untersuchungshaft etwa wegen Fluchtgefahr denkbar.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.06.2020 | 14:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Ein umgestürzter Baukran liegt auf einer Straße im Göttinger Stadtteil Esebeck. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Rampfel

Kran-Unfall in Göttingen: Identität des Toten geklärt

Die Ermittlungen laufen derweil weiter. Die Staatsanwaltschaft vermutet eine Manipulation an einer Feststellbremse. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen